Zur Halbzeit des Jahres 2014 kann die Tabakfabrik Linz eine äußerst positive Bilanz ziehen.

„Der nun zum Halbjahr vorliegende Jahresabschluss 2013 zeigt, dass es ohne eine Steigerung der Ausgaben gelungen ist, sowohl den Umsatz zu erhöhen, als auch die Besiedelung und Revitalisierung des 80.000 m² großen Areals voranzutreiben. In Zahlen ausgedrückt konnte die Tabakfabrik 2013 um rund 50.000 € besser abschließen als geplant“, so Markus Eidenberger, kaufmännischer Direktor der Tabakfabrik Linz.

Diese erfreuliche Entwicklung ist neben einer guten Finanzgebarung und der effizienten Umsetzung von Gestaltungs-, Renovierungs- und Instandhaltungsmaßnahmen auch den Erlösen im Eventbereich geschuldet. Im Jahr 2013 besuchten mehr als 170.000 Menschen die facettenreichen Veranstaltungsformate der Tabakfabrik Linz. Und in der ersten Hälfte des Jahres 2014 haben die Publikumszahlen – nicht zuletzt auch aufgrund der höchst erfolgreichen Tutanchamun-Schau – bereits die 100.000-Marke überschritten. Seit ihrer Übernahme durch die Stadt Linz verzeichnet die Tabakfabrik aktuell rund 560.000 BesucherInnen. Mit insgesamt 250.000 Gästen erfreuten sich die Ausstellungen, Kongresse und Produktpräsentationen in den großzügigen Räumlichkeiten des Brandlands beachtlichen Zuspruchs, wobei die drei Großausstellungen „Porsche – Design, Mythos, Innovation”, „Die Terrakotta-Armee“ und „Tutanchamun – Sein Grab und die Schätze“ eine besonders starke Anziehungskraft entfaltet haben.

Foto: Chris Sennlaub

Foto: Chris Sennlaub

Auch der Ausblick in das zweite Halbjahr 2014 gestaltet sich verheißungsvoll und bietet mit mehreren großen Produktionen des Internationalen Brucknerfests, der „WearFair & mehr“ Messe, der „GameStage Expo“, dem „Kunst- und Designmarkt“, der „Wildstyle & Tattoo Messe“ und dem ertragreichen Weihnachtsgeschäft zahlreiche Publikumsmagneten.

Foto: Andrea Zehetner

Foto: Andrea Zehetner

Der nächste große Schritt in der Revitalisierung und Besiedelung des Areals steht nun mit dem Einzug des Modezweigs der Kunstuniversität Linz an, der bisher in Form einer Expositur im Wiener Schloss Hetzendorf untergebracht war. Mit dem Umzug geht auch eine inhaltliche Neuausrichtung des Studiengangs einher, der unter dem Titel „Fashion, Design, Technology“ vielfache Synergieeffekte mit den bereits in der Tabakfabrik angesiedelten Betrieben, Initiativen und EPUs im Umfeld der kulturellen und kreativen Industrien verspricht. „Schon im Sommersemester des nächsten Jahres startet der Universitätsbetrieb in der Tabakfabrik, der langfristig im Vollausbau auf 1.800 m² rund 100 jungen ModedesignerInnen aus dem In- und Ausland einen Studienplatz bieten und das Areal mit innovativen Ideen und frischem Leben erfüllen wird. Damit ist ein weiterer Meilenstein in der Neugestaltung des Areals als interdisziplinäre, neoindustrielle Produktionsstätte und kollaborativer Konzern gesetzt“, so Chris Müller, Direktor für Entwicklung, Gestaltung und künstlerische Agenden der Tabakfabrik Linz.

Dann werden mit über 400 Personen, die in rund 70 verschiedenen Firmen oder Einrichtungen organisiert sind, bereits um einiges mehr Menschen in der Tabakfabrik Linz arbeiten als bei ihrer Schließung im Jahr 2009.

Foto: Archipicture

Foto: Archipicture

In der Tabakfabrik Linz arbeiten heute bereits wieder rund 300 Personen und damit mehr Menschen als bei ihrer Schließung im Jahr 2009. Sie alle formen gemeinsam eine „Smart Factory“ im Bereich der kulturellen und kreativen Industrien, die der fundamentalen Veränderung unserer Berufswelt – von der Industriegesellschaft zur Kreativ- und Wissensökonomie – Rechnung trägt. Doch gerade Ein-Personen-Unternehmen, Mikrobetriebe und freiberufliche Mitarbeiter größerer Agenturen im Umfeld der Kreativbranche sind zumeist ganz anderen Belastungen ausgesetzt als klassische Angestellte.  Stichwort Einzelkämpfer oder Ich-AG, großer Leistungs- und Konkurrenzdruck, atypische und unregelmäßige Beschäftigungsverhältnisse mit geringer sozialer Absicherung, Kreativitätszwang und höhere finanzielle Risiken. Um dennoch gesunde Arbeitswelten bieten zu können, braucht es deshalb innovative Konzepte im Bereich der Gesundheitsvorsorge, die ein flexibles Reagieren auf geänderte Bedürfnisse erlauben.

Foto: Florian Voggeneder

Foto: Florian Voggeneder

Deshalb hat sich nun der Verein für prophylaktische Gesundheitsarbeit PGA, der sich als Österreichs größter Gesundheitsverein mit Sitz in Linz für die Chancengleichheit auf Lebensqualität einsetzt, in der Tabakfabrik angesiedelt. – Um maßgeschneiderte Programme für kreative Geister zu konzipieren. Im Zentrum steht dabei die ganzheitliche Förderung der Gesundheit. Neben klassischen Entspannungsangeboten, Ernährungsworkshops und Sport werden so in der Tabakfabrik unter dem Motto “PGA Körper.schafft” auch Kommunikationstraining, Berufs- oder Persönlichkeitscoachings und Meditation angeboten.

“Wir haben uns im Vorfeld in Form von Umfragen ganz genau angesehen, welche Firmenstrukturen es in der Tabakfabrik gibt und bemerkt, dass sehr unterschiedliche Arbeitsverhältnisse existieren. Deshalb wäre ein klassisches betriebliches Gesundheitsvorsorgeprojekt hier kaum realisierbar. Aus diesem Grund haben wir ein flexibles Angebot entwickelt, das für alle leistbar sein soll, auch für jene, die sich in prekären Arbeitsverhältnissen befinden. Denn Gesundheit darf kein Privileg sein, Gesundheit ist ein Grundrecht”, sagt Dr. Maria Dietrich, Leiterin des Projekts “PGA Körper.schafft” in der Tabakfabrik.

Foto: Florian Voggeneder

Foto: Florian Voggeneder

Ziel ist auch, einen gesunden Nährboden zu schaffen, auf dem Kreativität, das kostbarste Gut der am Areal angesiedelten Betriebe und EPUs, sprießen kann. “Gesundheitsvorsorge im Betrieb ist mehr als nur ein Obstkorb – gerade in der Kreativbranche, wo der sprichwörtliche one apple a day meist das MacBook ist”, bringt es Maria Dietrich auf den Punkt.

„Als in der Tabakfabrik Linz noch Rauchwaren die Rampe verließen, war die Betriebskultur Vorzeigemodell mit zahlreichen Sozialleistungen, einem Betriebssportverein und Gemeinschaftsfesten. Dieser Geist soll wieder aufleben, angepasst an die Herausforderungen neuer Arbeitswelten und Produktionsverhältnisse“, ergänzt Chris Müller, Direktor der Tabakfabrik Linz.

Für die gesundheitsfördernden Programme des PGA in der Tabakfabrik wurden zwei außergewöhnliche Räume geschaffen, deren Gestaltungskonzept Maria Dietrich und Chris Müller entwickelt haben. -  Auf virtuose Weise umgesetzt vom Techniker-Team der Tabakfabrik.

 

PGArena

Mit der “PGArena” entstand eine Miniatur‐Sportarena, die mit der Geschichte des Raumes spielt. Wo früher Zigaretten mit dem Stapler verladen wurden, sind die Paletten heute an die Wand montiert und von Efeu bewachsen. Im Lastenaufzug ein Spinningrad, über der Starkstromleitung eine in Bauplatten gefasste Trainerbank, der ganze Raum mit grünem Rasen ausgelegt. Die PGArena bietet Platz, um bei Sportprogrammen die Muskeln spielen und oder bei Seminaren die Köpfe rauchen zu lassen. Zwischen Schultafel, Trainerbank, Springböcken und Kettlebells sprießt Wohlbefinden auf der grünen Wiese.

Foto: Florian Voggeneder

Foto: Florian Voggeneder

 

MEAT LOVE

Im Raum “MEAT LOVE” dreht sich, wie der Name schon nahe legt, alles um die Liebe zum Fleisch. Gehetzte Arbeitstiere und Bürohengste verschwinden dort in einer Kuschelhöhle, eingebettet zwischen weichem Fell an den Wänden und wärmenden Lampen. Ein idealer Ort, um bei Massagen und Entspannungsübungen die Seele baumeln zu lassen und sich eine Auszeit vom stressreichen Alltag zu gönnen.

Foto: Florian Voggeneder

Foto: Florian Voggeneder

Sofern die neuen Räume des PGA in der Tabakfabrik gerade nicht belegt sind, können sie auch für Gesundheits- oder Sportveranstaltungen gebucht werden.

Foto: Florian Voggeneder

Foto: Florian Voggeneder

Koordinator vor Ort ist der Gesundheitsreferee und Trainer Rüdiger Mayr, der in Abstimmung mit den Mieterinnen und Mietern der Tabakfabrik, sowie externen Interessierten verschiedene Programmschienen ausklügelt. “Gesundheit soll auch am Arbeitsplatz einen hohen Stellenwert haben. – Angebote wie etwa der “Lunch Break Workout” finden in der Mittagspause statt und beinhalten eine Mixtur aus Kraft- und Ausdauerübungen. Und während sich in den späten Nachmittagsstunden der Verkehr auf der Straße verdichtet, starten wir mit unserem Feierabendstaulauf”.  Wir nutzen die Zeit, bis sich der Verkehr auflöst, zum Lauftraining. – Um dann entspannt und ohne Stau in den Feierabend zu gehen.”

Auf vielfältige Weise unterstützt die “PGA Körper.schafft” in der Tabakfabrik also die volle Entfaltung von Kreativität und Talenten. Egal ob in Form von individuellen Exklusiv-Angeboten oder firmenübergreifenden Kursen.

“Auch wenn eine Person, die zum Beispiel als klassische Ich-AG arbeitet, in der Tabakfabrik nur einen kleinen Raum gemietet hat, steht  ihr dennoch ein ganzes Raumuniversum – wie in einem Großkonzern – zur Verfügung. Die Tabakfabrik Linz bietet Service in allen Lebenslagen, und das ist etwas Einzigartiges”, so Chris Müller.

Foto: Florian Voggeneder

Foto: Florian Voggeneder

 

 

 

 

 

 

“Ich sehe wunderbare Dinge!” Diesen berühmten Satz soll der britische Archäologe Howard Carter im November des Jahres 1922 gesagt haben, als er seine flackernde Kerze in die Vorkammer des Grabes von Pharao Tutanchamun hielt und damit eine sensationelle Entdeckung machte, die auch heute, mehr als 90 Jahre später, nichts von ihrer Faszination eingebüßt hat.

 

Foto: Chris Müller

Foto: Chris Müller

 

80.000 BesucherInnen sahen diese “wunderbaren Dinge” nun in der Tabakfabrik Linz, wo der legendenumwobene Grabschatz von Tutanchamun in seiner originalen Fundsituation nachgebildet wurde, so wie Howard Carter ihn einst erblickt hat.  Die Erfolgsausstellung “Tutanchamun – Sein Grab und die Schätze” präsentiert die Jahrhundertentdeckung in einem monumentalen Gesamtzusammenhang mit rund 1.000 Objekten, Grafiken, Filmen und Bildern auf einer Fläche von 2.500 Quadratmetern.

Begeistert von den spektakulären Hallen mit einer Raumhöhe von bis zu 14 Metern, veranstaltet die deutsche Agentur “Semmel Concerts GmbH” in Kooperation mit der “COFO Concertbüro Oliver Forster GmbH” bereits die zweite große Wanderausstellung in der Tabakfabrik Linz. Und aufgrund des ungebrochenen BesucherInnenandrangs hat man sich nun entschlossen, im Juli zusätzliche Sonderöffnungstage anzubieten. “Wegen der sehr großen Nachfrage öffnet Pharao Tutanchamun nochmals für kurze Zeit die Pforten zu seinem berühmten Grab. Vom 23. bis 27. Juli 2014 gibt er eine Zugabe in der Tabakfabrik.” so Oliver Forster.

 

Foto: Chris Sennlaub

Foto: Chris Sennlaub

 

Diese sehr große Nachfrage manifestierte sich häufig langen Warteschlangen, die oft weit entfernt vom Eingang der Tabakfabrik begannen und sich über den gesamten Parkplatz bis zur Straße zogen. Um einen derartigen Gästeansturm gut bewältigen zu können, brauchte es ein erstklassiges und motiviertes Team an AusstellungsbetreuerInnen.

 

Foto: Chris Sennlaub

Foto: Chris Sennlaub

 

„Die Arbeit als Schlangenbeschwörer hat mir großen Spaß gemacht, weil der Kontakt mit vielen verschiedenen Menschen für mich das Schönste an meinem Beruf ist”, sagt der Eventmanager Alf Günter Hähnel. Zu einem besonders interessanten Erlebnis während der knapp viermonatigen Laufzeit der Ausstellung zählte für ihn der Besuch einer renommierten Ägyptologin: “Sie war am Anfang skeptisch, da es sich bei den Exponaten ja um Repliken handelt, doch am Ende wollte sie gar nicht mehr gehen. Sie erzählte mir, sie sei bereits 40 Mal mit Studierenden in Kairo gewesen, aber hier in dieser Tutanchamun-Schau habe sie Dinge entdeckt, die sie in Ägypten nicht sehen konnte. Sie war restlos begeistert.”

Auch die Ausstellungsbetreuerin Sabine Heilmann hat an der Ticketkassa viel erlebt. “Einmal stand eine sehr alte Frau vor mir und als sie in ihre Geldbörse griff, um die Eintrittskarte zu bezahlen, merkte sie, dass sie zwei Euro zu wenig eingesteckt hatte. Weil die betagte Dame so liebenswürdig war, habe ich die beiden Euro für sie bezahlt. Und als sie mit glänzenden Augen und sichtlich fasziniert aus der Ausstellung kam und sich unzählige Male bei mir bedankt hat, war das ein sehr schönes Gefühl für mich.”
 
Foto: Chris Sennlaub

Foto: Chris Sennlaub

 

Das Ende der regulären Laufzeit der Tutanchamun Schau sehen die AusstellungsvermittlerInnen daher trotz so mancher Stresssituation auch mit einem weinenden Auge. „Ich muss ganz ehrlich sagen, wir sind jetzt schon traurig, dass die Ausstellung vorbei ist“, fasst Alf Günter Hähnel die Stimmung im Team zusammen. Trost dürfte allerdings die Tatsache spenden, dass die publikumswirksame Touring Exhibition in der Tabakfabrik Linz Ende Juli für fünf Tage erneut ihre Pforten öffnet. Am Freitag, 25.07.2014  und Samstag, 26.07.2014. empfängt der prominente Pharao seine BesucherInnen übrigens sogar bis Mitternacht.

 

Foto: Florian Voggeneder

Foto: Florian Voggeneder

 

Die Ausstellungswerft

Aufgrund ihrer ebenso unkonventionellen wie spektakulären Raumsituation hat sich die Tabakfabrik Linz zu einem international gefragten Ort für große Touring Exhibitions mit Potential zum Kassenschlager entwickelt.

Nach dem Erfolg von Großausstellungen wie „Porsche – Design, Mythos und Innovation“ (rund 65.000 BesucherInnen) oder der Schau über die Terrakotta-Armee (rund 45.000 BesucherInnen) bespielt seit März 2014 die Wanderausstellung “Tutanchamun – Sein Grab und die Schätze” , deren einzige Österreich-Station die Tabakfabrik ist, rund 2.500 m² des Areals. Mit diesen Touring Exhibitions möchte die Tabakfabrik international erfolgreiche Produkte der Kreativwirtschaft ins Rampenlicht rücken und ihre Diversität im Bereich der Veranstaltungen bekräftigen.

Deshalb positioniert sich die Tabakfabrik nun unter dem Titel „Ausstellungswerft“ nicht nur verstärkt als Anlaufhafen für Travelling Exhibitions, sondern auch als ein Ort der Ausstellungsproduktion. Aufgrund der am Areal gebündelten Kompetenzen in diesem Bereich sind in der Tabakfabrik Linz alle Faktoren, die es für eine gelungene Großausstellung braucht, gegeben. – Ob inhaltlich, infrastrukturell, räumlich oder logistisch.

Vom Prototyp zum Stapellauf

Am Areal der Tabakfabrik ist es möglich, Ausstellungen zu konzipieren, sie in Werkstätten anfertigen und vor dem Linzer Publikum auf grandiosen Ausstellungsflächen testen zu lassen. Selbst der Handwerksbereich wird durch eine hausinterne Spenglerei, Dreherei, Tischlerei, Fräserei, Schweißerei und Glaserei abgedeckt, wie auch der Bereich Messebau. Durch die Anbindung an ein internationales Schienennetz können Ausstellungen verschifft werden, es ist aber auch ihre Lagerung in geräumigen Storage Rooms möglich. Durch strategische Partnerschaften, wie beispielsweise mit der Ars Electronica, kann weltweit vernetzt werden.

Die schon jetzt in der Tabakfabrik angesiedelten PioniermieterInnen stehen dabei als PartnerInnen zur Verfügung, von der Konzeptentwicklung über die Konstruktion von Prototypen bis zum Entwurf von Marketingstrategien. Neben Ausstellungsdesignern befinden sich auch Medienagenturen, Fotografen, Webdesigner, Kommunikationsexperten, Handwerker oder Filmproduktionen vor Ort.

Eine besonders wichtige Rolle kommt dabei den in der Tabakfabrik Linz angesiedelten Unternehmen “Ars Electronica Solutions”, “argeMarie”, “Any:Time Architekten” und “Netural” zu:

Ars Electronica Solutions

Die 2012 gegründete Medienagentur „Ars Electronica Solutions“ etwa entwickelt als neueste Division der renommierten Ars Electronica maßgeschneiderte Lösungen für interaktive Installationen, Virtual-reality-Anwendungen oder partizipative Formate in den Bereichen Ausstellungsgestaltung, Stadtentwicklung, Shop Experience, Urban Media Development, sowie Event und Show Design.

 

Foto: Ars Electronica

Foto: Ars Electronica

 

Durch die Gründung der “Ars Electronica Solutions”, die Prototypen in die Serienreife überführt und somit Erfindungen kommerziell nutzbar macht, hat die Ars Electronica als künstlerische Institution einen Weg gefunden, die Prozesskette von der Vision und Forschung hin zur Erwerbbarkeit innovativer interaktiver Produkte und Dienstleistungen zu schließen.

Die von der “Ars Electronica Solutions” mitkonzipierte Ausstellung “L’Oracle du Papillon” ist zur Zeit im schweizerischen Freiburg zu sehen und läuft noch bis zum 2. November 2014. Auf mehr als 2.500 m² Ausstellungsfläche veranschaulicht die multimediale Schau auf eindrucksvoll-sinnliche Weise, wie jede und jeder Einzelne einen Beitrag zum nachhaltigen Umgang mit Ressourcen leisten kann.

 

Foto: Guillaume Ohl

Foto: Guillaume Ohl

ArgeMarie

Das Kollektiv „argeMarie“ ist eine Arbeitsgemeinschaft mit Schwerpunkt auf Ausstellungsarchitektur, Szenografie und Signaletik. – Im Vordergrund steht auch hier die Entwicklung neuartiger Konzepte im Bereich des Interaktionsdesigns. “argeMarie” gestaltet seit mehr als einem Jahrzehnt Ausstellungen für Museen und szenische Architektur. – Vom Entwurf über die bauliche und multimediale Ausführung bis zur Unterstützung der kuratorischen Tätigkeit. Viel gelobt wurde etwa “argeMaries” Gestaltung der neuen Dauerausstellung in der Gedenkstätte Mauthausen.

Im Augenblick arbeitet das Kollektiv an der Konzeption der Ausstellung “Swing tanzen verboten” von “EntArteOpera”, die im Rahmen des Internationalen Brucknerfests 2014 in der Tabakfabrik Linz zu sehen sein wird. Die Schau lockt das Publikum in ein dunkles Kapitel der jüngeren Geschichte und widmet sich der Unterhaltungsmusik nach 1933 zwischen Widerstand, Propaganda und Vertreibung.

 

Foto: ArgeMarie / Ausstellung "Swing tanzen verboten"

Foto: argeMarie / Ausstellung “Swing tanzen verboten”

ANY:TIME Architekten

Neben klassischen Bauaufgaben ist in letzter Zeit, und nicht zuletzt auch durch die Ansiedelung in der Tabakfabrik Linz,  das Thema Ausstellungsarchitektur zu einem wichtigen Betätigungsfeld der “any:time Architekten” geworden. Als wichtigste Aufgabe von Ausstellungsarchitektur sieht das Künstler-Duo die thematische Unterstützung der Exponate. Die Ausstellungsarchitektur soll auf den ersten Blick eingängig die Grundthematik oder das kuratorische Konzept unterstreichen und dabei einzelne Objekte (Medienkunst, Skultpur/Plastik, Flachware) räumlich thematisch richtig zur Geltung bringen, selbst jedoch nicht im Vordergrund stehen. Dadurch entsteht eine Grundschwingung im Einklang mit den präsentierten Exponaten. Die Zugänge zur geometrischen Fassung von Ausstellungsexponaten können dabei sehr komplex sein und reichen von vordergründig spielerisch bis zur Verräumlichung eines philosophischen Zitats.

Immer wieder arbeiten die “any:time Architekten” bei großen internationalen Ausstellungen mit der Ars Electronica zusammen und entwerfen außergewöhnliche raumatmosphärische Lösungen. – So etwa im Zuge der “ITU Union internationale des telecommunications” in Bangkok, oder im Rahmen der Ausstellung “Wie eine zweite Natur” im VW Automobilforum Berlin.

 

Foto: ANY:TIME Architekten / ITU Union internationale des telecommunications

Foto: any:time Architekten & Ars Electronica / ITU Union internationale des telecommunications

 

Foto: ANY:TIME Architekten / „Wie eine zweite Natur“

Foto: any:time Architekten & Ars Electronica / „Wie eine zweite Natur“

 Netural

„Das Schöne sehen und das Komplexe nicht spüren“ lautet das Credo der Digital Media Agentur “Netural”, die seit 1998 innovative interaktive Projekte für bekannte österreichische Unternehmen realisiert. – Mit besonderen Kompetenzen im Bereich multimedialer Inszenierung, Mobile Technology, Online Marketing und Augmented Reality.

Das Jahr 2014 ist noch jung und brachte “Netural” dennoch bereits einen internationalen Preisregen. – Unter anderem wurde die Agentur heuer mit dem EPICA Award, dem CREA Credential Award und dem Best-of-Mobile Award ausgezeichnet.

 

Foto: Netural

Foto: Netural

Die Tabakfabrik Linz in Zahlen

  • 80.000 m² überdachte Nutzfläche (Ausstellungshallen, Kinos, Büros, Lagerräume)
  • 10.000 m² öffentlicher Platz (Peter-Behrens-Platz), zentrale städtische Lage
  • Anschluss an öffentliches Verkehrsnetz, Eisenbahnnetz, Autobahn und Hafen
  • Anbindung an die 2. Straßenbahnachse ab ca. 2020
  • etabliertes Veranstaltungszentrum mit mehr als 150.000 BesucherInnen pro Jahr
  • 300 PionierInnen aus der Kreativwirtschaft vor Ort

 

maiz, das autonome Zentrum von & für MigrantInnen in Linz, hat mit dem ESF-Projekt “INTERMEZZO / MEZZANIN” innovative Bildungsangebote für junge MigrantInnen entwickelt. Um ein Bindeglied zwischen Pflichtschule und weiterführender Ausbildung zu schaffen, erhielten Jugendliche mit Migrationshintergrund die Möglichkeit, im Rahmen des Lehrgangs “MEZZANIN” mehrere Monate lang in unterschiedlichsten Kultureinrichtungen und Kreativunternehmen mitzuarbeiten. Dadurch sollen Bildungsbarrieren verringert, Kompetenzen gefördert und Orientierungshilfen für den weiteren Berufssweg geboten werden.

Die Tabakfabrik Linz hat als Kooperationspartnerin des Projekts “MEZZANIN” mehreren Jugendlichen die Chance eröffnet, Erfahrungen in verschiedenen Abteilungen zu sammeln. Ob Veranstaltungsmanagement, Marketing, Controlling oder Technik.  In intensiver Beschäftigung mit den jungen Menschen haben MitarbeiterInnen der Tabakfabrik Linz Entwicklungs- und Betriebsgesellschaft ihre besonderen Interessen und Fähigkeiten ausgelotet und unterstützt.

Im Zuge eines Fotoworkshops in der Tabakfabrik realisierten die Jugendlichen beeindruckende künstlerische Arbeiten, die ihre Erfahrungen, Bedürfnisse und Sehnsüchte ausdrücken, sich mit beruflichen Ambitionen auseinandersetzen oder auf kritische Weise Themen wie Ausgrenzung, Identität und Toleranz behandeln.

Die im Rahmen des Lehrgangs “MEZZANIN” entstandenen Kunstwerke werden zur Zeit in einer Ausstellung mit dem Titel “mezza-versum, mezza-kunst, mezza-kultur” in den Räumlichkeiten von maiz (Hofgasse 11, 4020 Linz) präsentiert. Die TeilnehmerInnen sind sich ihrer Talente bewusst geworden und haben nicht nur neue Fähigkeiten erworben, sondern auch Selbstvertrauen gewonnen. Einige von ihnen bereiten zur Zeit mit großem Engagement ihre Bewerbung für die Kunstuniversität Linz vor. Und so dürfte das Projekt “MEZZANIN” wohl den Grundstein für so manch eine künstlerische Karriere gelegt haben.

 

Foto: maiz/MEZZANIN

Foto: maiz/MEZZANIN

 

 

Insgesamt drei verschiedene Produktionen von EntArteOpera finden im Rahmen des Internationalen Brucknerfests 2014 in den atmosphärischen Räumen der mit rund 80.000 m² überdachter Nutzfläche gesegneten Tabakfabrik Linz statt:

Die Oper “Ulenspiegel”, die Ausstellung “Swing tanzen verboten” inklusive Konzert und der Liederzyklus “Verbotene Klänge”.

EntArteOpera ist als mehrjähriges Opernprojekt konzipiert, das sich zur Aufgabe macht, Werke so genannter “Entarteter Musik” auf die Bühne zu bringen. Opern von Komponisten, die durch den Nationalsozialismus verfolgt, ins Exil getrieben, ermordet wurden. Opern, die auch nach dem zweiten Weltkrieg weiter aus der Erinnerung gelöscht blieben. Opern im Spiegel der persönlichen Konflikte eines reflektierenden, kritischen Künstlers. Die Auseinandersetzung mit einer Zeit zwischen den Umbrüchen der Jahrhundertwende und dem politischen Abgrund, der geschichtlichen Katastrophe, in welchem Kontext diese Werke entstanden sind, ermöglicht dem Projekt und damit dem Zuschauer die Reflexion über Wechselwirkung und parallele Zusammenhänge bis in die Gegenwart.
EntArteOpera möchte Opern für das Publikum wieder entdeckbar machen, die in Österreich z.T. seit ihrer Uraufführung nicht mehr zu sehen waren, und die es sowohl durch ihre großartige Musik als auch durch ihre im Kontext der Zeit interessanten Geschichten wert sind, auf die Bühne gebracht zu werden.

EntArteOpera Ausstellung

“Ulenspiegel”

Oper von Walter Braunfels in 3 Aufzügen

Musik und Libretto von Walter Braunfels, nach einem Roman von Charles de Coster

 

Musikalische Leitung // Martin Sieghart

Inszenierung // Roland Schwab

Ausstattung // Susanne Thomasberger

Orchester // Israel Chamber Orchestra

Till Ulenspiegel // Marc Horus

Nele // Christa Ratzenböck

Chor // EntArteOpera unter der Leitung von Franz Jochum

Premiere //  10.9.2014   19:00// Tabakfabrik Linz

In Kooperation mit dem Internationalen Brucknerfest Linz 2014

Weitere Vorstellungen: 12.9., 14.9., 16.9.

 

Ulenspiegel

 

Die Oper „Ulenspiegel“ von Walter Braunfels ist das zweite Projekt von EntarteOpera und dem Internationalen Brucknerfest nach Franz Schrekers Schatzgräber im vergangenen Jahr.

EntarteOpera ist eine Initiative von Martin Sieghart und Susanne Thomasberger und setzt sich zum Ziel Werke wieder auf die Bühne zu bringen, die im Nationalsozialismus nicht aufgeführt werden durften und in den meisten Fällen vergessen wurden.

Abgesehen von einem  oft entscheidenden Einschnitt in der Musikgeschichte des 20 Jahrhunderts – außermusikalische Parameter wurden zur Maxime für die Rezeption von Musik gemacht – ist es gleichzeitig auch der Versuch Geschichte – und nicht nur die der Musik – aufzuarbeiten. Österreich hat sich bis Bundeskanzler Vranitzky mit seiner Geschichte sehr schwer getan, erst er hat Klartext gesprochen:

“Wir bekennen uns zu allen Daten unserer Geschichte und zu den Taten aller Teile unseres Volkes, zu den guten wie zu den bösen; und so wie wir die guten für uns in Anspruch nehmen, haben wir uns für die bösen zu entschuldigen – bei den Überlebenden und bei den Nachkommen der Toten. Dieses Bekenntnis haben österreichische Politiker immer wieder abgelegt. Ich möchte das heute ausdrücklich auch im Namen der Bundesregierung tun; als Maßstab für das Verhältnis, das wir heute zu unserer Geschichte haben müssen, also als Maßstab für die politische Kultur in unserem Land; aber auch als unseren Beitrag zur neuen politischen Kultur in Europa.”

Linz hat seine Rolle im Nationalsozialismus beispielgebend aufgearbeitet. Zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten lassen die Geschichte neu entstehen, ohne den Versuch der Verklärung im Nachhinein –  ohne wenn und aber.

Es ist nur konsequent wenn das Internationale Brucknerfest gemeinsam mit dem Verein EntarteOpera die kulturpolitischen Gegebenheiten dieser Zeit aufzeigt. Eine unglaubliche Menge an Kulturschaffenden in der Musik, aber nicht nur dort, wurden  totgeschwiegen, verdrängt oder ermordet. Die kulturpolitische Wirkung zeigt sich nach dem Nationalsozialismus. Komponisten und ihre Werke waren verschwunden und blieben es auch. Ein Rechtsruck in Europa ist spürbar, die Tea Party in Amerika zeigt auf. Der Weg zur Verteufelung der Kunst ist nicht weit.

 

“Swing tanzen verboten”

Ausstellung zur Unterhaltungsmusik nach 1933 zwischen Widerstand, Propaganda und Vertreibung

 

Ausstellungskuratorin // Dr. Marie – Theres Arnborn

Ausstellungsgestaltung // argeMarie

Ausstellungseröffnung mit Vortrag / Musik  // 9.9.2014  18:00 // Tabakfabrik Linz

Ausstellung // bis 5.10.    Di. – So. 10:00 bis 18:00

In Kooperation mit dem  Internationalen Brucknerfest Linz 2014

 

Das Jahr 1933 bedeutete einen gewaltigen Einschnitt auch für die Unterhaltungskultur. Dies war im Besonderen von moderner Tanzmusik, Einflüssen aus Amerika, frivol-humoristischen Texten und jüdischen Komponisten, Librettisten und Interpreten geprägt. All dies war den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge: Rückbesinnung auf „heimische“ Melodien, auf „arische“ Künstler und „brave“ Texte standen im krassen Gegensatz zu einer der erfolgreichsten Phasen der mitteleuropäischen Unterhaltungsbranche, die weltoffen und modern war.

„Der Untergang der Wiener Operette im Judentum“ übertitelte Der Stürmer am 9.6.1934 die „Aufzeichnungen eines abgebauten Operettenstars“: „Wer wollte auch auf den Gedanken verfallen, daß gerade die Juden es sein sollten, die in einem knifflig und perfid geführten unterirdischen Feldzug im Laufe von wenigen Jahrzehnten das ganze Gebiet der wienerischen Musik erobern konnten, sodaß durchaus keine Übertreibung ausgesprochen wird, wenn man hinsichtlich dessen, was heute als wienerische Musik „international“ gepriesen wird, die Begriffe von „Wienerisch“ und „Jüdisch“ gleichsetzt.“ Die jüdischen Künstler wurden vertrieben, verhaftet und ermordet – und mit ihnen eine ganze unwiederbringliche Kultur.

Die Ausstellung ist dreigeteilt: „Arisierte“ Operette stellt die Unterhaltungskultur nach 1933 in Deutschland in den Mittelpunkt, „Vertriebene“ Operette den Brain Drain in die USA und andere Länder, die Zuflucht boten, und „Ermordete“ Operette all die Künstler, die ermordet wurden und selbst noch in den Konzentrationslagern Unterhaltungsmusik aufführten und komponierten.

In Deutschland mussten Ersatzwerke geschaffen werden, um die große Nachfrage nach Operette weiter zu befriedigen. So wurde aus Emmerich Kálmáns Gräfin Mariza Nico Dostals Ungarische Hochzeit, Paul Abrahams Ball im Savoy wandelte sich zu Fred Raymonds Maske in Blau und die Kulissen zu Erik Charells Weißem Rössl mussten eine Weiterverwendung finden. Fred Raymond schrieb daher Saison in Salzburg.

Komponisten, Librettisten und Interpreten fanden Zuflucht in den USA, doch nur wenigen gelang es, dort künstlerisch zu reüssieren und den in Europa begonnen Erfolg fortzusetzen. In England entstand die einzige Operette, die die Nazi-Verfolgung thematisierte: Ivor Novellos The dancing years aus dem Jahr 1939.

In einigen Konzentrationslagern wurden Operetten aufgeführt: Von den Häftlingen für andere Häftlinge oder aber für die Wachmannschaften. Außerdem hatte jedes Lager seine „Lagerhymne“, so schufen Hermann Leopoldi und Fritz Löhner-Beda das berühmte „Buchenwaldlied“.

Nach 1945 gab es in Europa so gut wie keinen Bruch: Kontinuität stand im Mittelpunkt, das Bestreben, die vertriebene Kultur wieder zu beleben, war enden wollend – die Biederkeit der 1950er Jahre setzte die Nazi-Ideologie auf ihre Weise fort: Für Jazz und moderne Tanzmusik bestand nur wenig Interesse. Erst in den vergangenen Jahren erwachte wieder das Interesse für die Modernität der Zwischenkriegszeit – eine Chance, ein ganzes Genre zu rehabilitieren und ihren Schöpfern die Geschichte zurückzugeben.

Dr. Marie-Theres Arnbom

 

Konzert zur Ausstellung

Eine musikalische Reise durch die Unterhaltungsmusik der 30er Jahre zwischen Widerstand, Propaganda und Vertreibung

 

Konzeption und Texte // Wolfgang Dosch

Lehrgang Klassische Operette/Konservatorium Wien Privatuniversität

Konzert  // 9.9.2013  19:30 // Tabakfabrik Linz im Anschluss an die Ausstellungseröffnung

Schülervorstellung  // 18.9.2013  17:00 // Tabakfabrik Linz

In Kooperation mit Internationalen Brucknerfest Linz 2014

 

 “Verbotene Klänge”

Liederzyklus von Ernst Krenek

Reisebuch aus den österreichischen Alpen

 

Tenor // Alexander Kaimbacher

Klavier // Anna Sushon

Lesung // Erika Pluhar

Konzert  // 11.9.2013  19:00 // Tabakfabrik Linz

In Kooperation mit dem Internationalen Brucknerfest Linz 2014

 

„Bildergalerie der Erinnerung“ auf der Homepage von EntArteOpera:

Archiv von Bildern und Daten der von den Nationalsozialisten als „entartet“ diffamierten Musiker und Musikerinnen, ausgestellt in der Ausstellung von  „EntArteOpera 2013“

Rückblick 2013 mit Bildern, Video  und kompletter Pressespiegel sowie umfassende Detailinformationen zu 2014 auf:

www.entarteopera.com

 

Tabakfabrik Linz

Als idealer Spielort für die Wiederentdeckung von Walter Braunfels´ vergessenem Meisterwerk bietet sich die ehemalige „Tabakfabrik Linz“ mit ihren einmaligen Möglichkeiten an. Das denkmalgeschützte, geschichtsträchtige Gebäude gilt als einer der konsequentesten Industriebauten der Moderne. In seiner heutigen Form erbaut von den Architekten Peter Behrens und Alexander Popp in den Jahren 1928-1935, präsentiert sich der Komplex als Angelpunkt der politischen und sozialen Geschichte der Stadt. Selbst das menschenfeindliche Klima, unter dem „entartete“ Komponisten zur Zeit des Nationalsozialismus zu leiden hatten, lässt sich in der wechselreichen Geschichte der Tabakfabrik ablesen, wenn die Werksnachrichten von „Kulturschulungsstunden“ berichten, in denen der Fabriksbelegschaft die echte deutsche Kunst nahegelegt wurde im Gegensatz zur „durch Juden verschmutzen Musik“, die „deren schlechten Absichten widerspiegeln“.

 

 

Gestern ging der zweite Beitrag des neuen Radiomagazins “Rauchzeichen – Tabakfabrik Linz on air” im Kultur- und Bildungskanal von Radio FRO auf Sendung. – Das halbstündige Feature widmet sich den so genannten Sektionen in der Tabakfabrik, die sich aus der Idee der einstigen ArbeiterInnenvereine entwickelt haben.  – Zeitgenössische Interessensgemeinschaften von Menschen, die vor Ort arbeiten, ihre Leidenschaften im Kollektiv ausleben, dem allgegenwärtigen Leistungsdruck ganz bewusst etwas entgegensetzen wollen und die Prinzipien der „Do it yourself“-Bewegung hochhalten.

Die Themen reichen dabei von Motorsport über Kampfkunst, prophylaktische Gesundheitsarbeit und urbanes Gärtnern bis zu zeitgenössischem Tanz. Die Sektionen dienen dem Ziel, in der Tabakfabrik Linz abseits der täglichen Arbeitswelt einen gesunden Nährboden zu bieten, auf dem Kreativität und Innovation sprießen können. Damit knüpft man auch an eine Tradition der ehemaligen Austria Tabakwerke an. Denn als auf dem Areal einst noch Rauchwaren produziert wurden, galt die Betriebskultur als Vorzeigemodell: Mit großzügigen Sozialleistungen, unzähligen Betriebssportvereinen und Gemeinschaftsfesten fühlten sich viele als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines Familienbetriebs. – Dieser Geist soll auch heute in der Tabakfabrik Linz weiterleben.

Wir porträtieren die unterschiedlichen Sektionen der Tabakfabrik, sprechen über gemeinsame Passionen, die Bedingungen eines guten Betriebsklimas, das Bedürfnis nach Selbstversorgung und die Sehnsucht nach Partizipation.

Ein Beitrag von Nina Fuchs

Jingle: Cherry Sunkist

 

Nachzuhören ist die Sendung hier:

“Rauchzeichen – Tabakfabrik Linz on air”, jeden zweiten Dienstag im Monat, im Kultur- und Bildungskanal von Radio FRO:

Die nächste Sendung wird nach einer einmonatigen Sommerpause am Dienstag, den 12. August 2014 auf Radio FRO ausgestrahlt.

 

 

In der ersten Sendung unseres neuen Kommunikationsformats Tabakfabrik TV war der Linzer Architekt Andreas Kleboth bei Christian Diabl zu Gast. Das zentrale Thema war Stadtentwicklung in vielen verschiedenen Aspekten, ein Thema, dass auch die Tabakfabrik selbst betrifft und in dessen Kontext wir unser Projekt auch sehen. Nach der Sendung hat sich noch ein vertiefendes Gespräch über die Zersiedlung Österreichs gegeben, als Folge einer unstrukturierten Raumordnungspolitik. Andreas Kleboth hat uns freundlicherweise dazu noch einen spannenden Text verfasst:

Andreas KlebothDie unüberlegte Zersiedlung von riesigen Landflächen ist eine der Erbsünden unserer Gesellschaft. Da werden Tag für Tag tausende Quadratmeter Landschaftsraum dem Einfamilienhausbau und den Fachmarktzentren auf der ehemals grünen Wiese samt Verkehrsinfrastruktur geopfert, ohne dass dabei ein gesellschaftlicher Mehrwert geschaffen wird. Und das obwohl die Ressource ‚Boden‘ immer einzigartig ist und nicht vermehrt werden kann.

Neben den moralischen und ökologischen Bedenken, stellt die Zersiedelung auch einen ökonomischen Irrtum dar, ist Geldvernichtung auf allen Ebenen: im öffentlichen Bereich werden Millionen für die Bereitstellung, Betrieb und Erhaltung der Infrastruktur aufgewandt. Und auch der private Häuslbauer verliert bei der Umsetzung des Traums vom ‚Haus im Grünen‘ viel Geld. Meistens sind Grundstückskauf und Hauserrichtung wesentlich teurer, als der gemeinsame Wert von Haus auf dem Grund.

Denn durch das beliebige und gestaltlose Nebeneinander der Neubauten entsteht in aller Regel kein Mehrwert, keine hochwertige Adresse, keine Aufwertung von Grund und Boden sondern eine weitere gesichtslose, austauschbare Siedlung.

Denn jeder Ort, jedes Ensemble braucht eine Idee. Ein gemeinsames Ziel, bei dem öffentliche Interessen über die Einzelinteressen gestellt werden. Nur so kann ein inspirierender und umfassend wertvoller (im Englischen differenziert durch die zwei Begriffe ‚valuable‘ und ‚worthful‘) Ort entstehen.

Das gilt auch für bestehende Städte: Am Anfang jeder Entwicklung sollte eine spannende Leitidee stehen!

Und je attraktiver unsere Städte sind, desto begehrenswerter wird das Leben in der Stadt. Und umso mehr Menschen ziehen das Wohnen in der urbanen Gemeinschaft dem Häuschen im Grünen vor.

Da unsere Gesellschaft und die unsere jeweiligen Ansprüche immer heterogener werden, wird wohl nur eine vielfältige Stadt diesen Ansprüchen umfassend gerecht. Vielfalt meint dabei nicht Beliebigkeit, sondern das Bereitstellen von weitgehend unterschiedlichen, bewusst gestalteten Angeboten, Atmosphären, Nutzungen, Gemeinschaften und Designs.

Gerade für diesen Anspruch hat Linz sehr gute Voraussetzungen. Anders als vergleichbare österreichische Städte wie Innsbruck, Salzburg oder Graz ist in Linz die Altstadt nicht das alles dominierende Zentrum. Das erleichtert es, Linz zu einer polyzentralen, diversifizierten Stadt weiter zu entwickeln. Linz als Stadt der Gegensätze, der Widersprüche, der Vielfalt, der Möglichkeiten.

Und es ist gesellschaftliche Verpflichtung der Kreativen und Freidenker Ideen und Konzepte für das Linz der Zukunft zu liefern, zu diskutieren und konkrete Umsetzungen vorzuschlagen. Denn erst wenn klare Visionen aufgezeigt sind, können diese von vielen mitgetragen und realisiert werden.

Derartige Initiativen sollten jetzt und in Zukunft von der Tabakfabrik ausgehen.Die Tabakfabrik und deren Umfeld könnten mittelfristig zu einem Zentrum der Kreativität, des gemeinschaftlichen Arbeitens und Lebens unter Berücksichtigung ökologischer und sozialer Faktoren – also ein Beispiel für Urbanität des 21. Jahrhunderts – werden.

Und als solches könnte der ‚Stadtteil Tabakfabrik‘ ein Attraktor für Menschen werden, die ihre eigenen Wege gehen wollen ohne dabei als Erstes an den Zugang zu ihrem Haus zu denken.

– Andreas Kleboth

Die ganze Sendung gibt es für alle Neugierigen zum Nachsehen im Dorf TV Archiv:

Gestern haben wir erfolgreich die erste Pilotsendung der neuen Tabakfabrik TV Fernsehsendung ausgestrahlt. Bis der gesamte Mitschnitt online ist, haben wir mal das wunderbar schöne Intro raufgeladen, dass natürlich wie immer ausschließlich von lokalen Künstlerinnen und Künstlern gestaltet wurde:

 

Dank an:
Animation: Remo Rauscher, Christoph Einfalt und Valentin Ortner
Soundtrack: Cherry Sunkist
Grafik Logo: Michael Holzer

Projektleitung: Thomas Diesenreiter