Das Konzept

Foto: Michaela Rieß

Die Geschichte der Linzer Tabakfabrik ist von starker Symbolik für den Verlauf der politischen Entwicklung Österreichs und der internationalen Politik. Früher eine stolze Hochburg der ArbeiterInnen-Klasse, ein Musterbeispiel sozialer Architektur und Stadtplanung, wurde die Belegschaft wegen der fortschreitenden Automatisierung schrittweise reduziert. Nach der Jahrtausendwende wurden die Austria Tabakwerke wie viele andere staatliche Betriebe privatisiert. Was folgte, war typisch für die damalige Privatisierungswelle: Rationalisierungen führten zur schrittweisen Schließung der Fabriken und einer Verlagerung der Produktion in Länder mit geringeren Lohnkosten. Die meisten der denkmalgeschützten Gebäude wurden darauf hin wieder von der öffentlichen Hand zurückgekauft, so auch die Linzer Tabakfabrik im Jahr 2009.

Die Geschichte der Linzer Tabakfabrik lässt sich in drei Phasen einteilen: Ursprünglich von öffentlicher Hand gebaut, danach für kurze Zeit privatisiert, ist sie heute wieder im öffentlichen Besitz. Sie ist damit ein Symbol für eine Trendwende in der Politik. Diese nun beginnende dritte Phase ist ein starkes Signal für die Rückkehr des Staates und für das Wiedererstarken von sozialen Ansprüchen an die Gestaltung unserer Gesellschaft. Doch auch der Staat muss seine eigene Rolle hinterfragen und neu definieren, um sich im 21. Jahrhundert zu bewähren und um die Akzeptanz und Unterstützung seiner Citoyen zu bekommen.

In diesem Kontext sind die uns beschäftigenden Fragestellungen zur zukünftigen Entwicklung der Linzer Tabakfabrik zu sehen. Welche sozialen, kulturellen und ökonomischen Aufgaben werden der Staat und die Stadt im 21. Jahrhundert wahrnehmen? Wohin entwickelt sich unsere Demokratie und wie sehen die demokratischen Werkzeuge der Zukunft aus? Wie fügt sich die Zivilgesellschaft in das Konstrukt des Staates ein? Wie definiert sich ein modernes Verständnis des öffentlichen Raums? Wie sieht die Arbeits- und Wirtschaftswelt der Zukunft aus? Wie kann man ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltig Wohlstand produzieren? Welche kulturelle Formen werden ihren Hegemonieanspruch durchsetzen? Welche der neue Ideen und Konzepte sind für Smart Cities wie Linz praktikabel?

Welche Formen des Zusammenlebens und des Zusammenarbeitens braucht es im 21. Jahrhundert?
Und welche Rolle kommt dabei der kommunalen Verwaltung zu, welche Aufgaben hat sie in Zukunft zu erfüllen?

Die Tabakfabrik Linz sucht nicht nur theoretische Antworten auf diese Frage, sondern bietet Raum für Experimente und die konkrete Umsetzung politischer, gesellschaftlicher und sozioökonomischer Zukunftsmodelle. Daher beschäftigt sie sich nicht nur mit dem Status Quo des Jahres 2012, sondern denkt auch an das Linz des Jahres 2040. An ein Linz, das in 30 Jahren die Heimat doppelt so vieler Menschen wie heute sein kann. An ein Linz, das für die nächste Generation mindestens so lebenswert ist wie unseres heute.