Sinnesfreuden mit Nostalgiefaktor

Bildcredit: Volkshilfe OÖ

Der neue Volkshilfe ReVital Concept Store in der Tabakfabrik Linz

Angeregte Gespräche in einzigartigem Ambiente, umgeben von Wohnaccessoires aus längst vergangener Zeit, geschäftiges Tüfteln, das Klimpern von Werkzeugen und der Geruch von Kaffee und Mehlspeisen nach Omas Art, der einem in die Nase steigt. All das erwartet die BesucherInnen künftig im generationsübergreifenden ReVital Concept Store der oberösterreichischen Volkshilfe, der im Magazin 1 der Tabakfabrik Linz entsteht und im Mai/Juni 2020 eröffnen wird. Die Mischung aus Shop und Café erfüllt dabei mehrere Funktionen – sie ist Vintage Store, Generationen-Konditorei und Repair Café gleichzeitig.

„Wir möchten, dass ältere Menschen gemeinsam vor Ort Kuchen und Backwaren herstellen. Jene Leute, die in der Tabakfabrik arbeiten und kreativ sind, sollen dadurch eine kleine Auszeit bekommen – und ein Geschmackserlebnis wie bei der Oma oder Tante haben. Die Atmosphäre entsteht durch die Schätze unserer Sammlung an Einrichtungsgegenständen. Gleichzeitig soll der Raum als Repair Café genutzt werden, das in regelmäßigen Abständen stattfindet. Dort werden Dinge repariert, die sonst niemand mehr reparieren würde, weil es sich unter normalen ökonomischen Gesichtspunkten nicht mehr rentiert. Denn sobald bei einem Fön etwa ein Kabel locker ist und ein Professionist seine Arbeitszeit verrechnet, kostet die Reparatur mehr als der Restwert oder Neupreis des Föns“, erzählt Fred Edlinger, Bereichsleiter der Volkshilfe Shops in Oberösterreich.

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Omas Speis‘ und Trank

Auf 100 Quadratmetern werden SeniorInnen in der Tabakfabrik Linz ihre Lieblings-Mehlspeisen nach alten Familienrezepten zubereiten und diese an das junge Publikum weitergeben – in heimeliger Atmosphäre des mit Möbeln von anno dazumal ausgestatteten Cafés. Omas Speis‘ und Trank dient als Kommunikations-Katalysator einerseits und als Zuverdienst für pensionsschwache SeniorInnen andererseits. Aus dem generationsübergreifenden Miteinander lassen sich zahlreiche Veranstaltungsformate ableiten und zusätzliche Einkommensmöglichkeiten erschließen. Ob Workshops mit Oma und Opa, Back-Kurse oder ein Mehlspeisen-Lieferservice innerhalb der Tabakfabrik. Somit bietet das Café eine Strategie gegen Einsamkeit im Alter und Altersarmut, so Fred Edlinger:

„Wir haben das Café Vollpension in der Wiener Schleifmühlgasse zum Vorbild genommen. Dort wurde ein reiner Kaffeehausbetrieb etabliert, wo ältere Damen und Herren, die unter Einsamkeit leiden oder einfach Ressourcen haben, unter die Leute kommen wollen, gemeinsam backen – für das Publikum dieses Kaffeehauses. Es gibt eine Schaubackstube und man muss reservieren, wenn man einen Platz will. Ausgestattet ist die Vollpension mit allerlei Kitsch oder Trödel und hat so insgesamt eine tolle Wirkung.“

In den Volkshilfe Shops gibt es immer wieder Raritäten, die als begehrte Deko-Elemente oder Sammlerstücke gelten: von ausgefallenem Hausrat, über Möbel und Elektrokleingeräte bis hin zu Vintage-Bekleidung. Diese kommen in das Café in der Tabakfabrik und können dort nicht nur gleich ausprobiert, sondern auch erworben werden. Durch den ständigen Wechsel von Teilen der Ausstattung befindet sich das Erscheinungsbild des Concept Stores in einem regelmäßigen Fluss, der sich den Jahreszeiten, Stimmungen und Trends der KundInnen anpassen lässt. Fix sind nur die Back- und Kaffeestation mit den dazugehörigen Küchenutensilien zur Herstellung von Mehlspeisen sowie unverwechselbare Kaffee- und Teespezialitäten heimischer Anbieter. Gleichzeitig entstehen mit dem Volkshilfe ReVital Concept Store in der Tabakfabrik bis zu fünf neue Arbeitsplätze, zusätzlich wird die Freiwilligenarbeit ausgebaut und erhält so noch mehr Bedeutung.

„Ein Idealfall für uns ist es, wenn die Kundschaft etwas abgibt und dann durch das Geschäft schlendert, um sich etwas Neues mitzunehmen. Zwei Wochen später kommt sie nochmals, gibt den Gegenstand wieder ab und nimmt sich das Nächste mit – um daheim immer ein bisschen etwas zu verändern und nebenbei etwas Gutes zu tun“, sagt Alexander Lindenbauer, Standortleiter des Volkshilfe Shops in Urfahr und Verantwortlicher für den neuen Concept Store in der Tabakfabrik Linz.

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Zeichen gegen die Wegwerfgesellschaft

Neben dem Tagesbetrieb als Café mit Mehlspeisen von PensionistInnen wird der ReVital Concept Store der Volkshilfe auch als Reparatur- und Nähcafé genutzt werden. Das Konzept ist simpel: Ehrenamtliche Fachleute, die handwerkliches Geschick und Werkzeug besitzen, helfen anderen, ihre kaputten Sachen zu reparieren – den Wasserkocher, der scheinbar den Geist aufgegeben hat, den Staubsauger, der nicht mehr anspringt, das T-Shirt mit der aufgerissenen Naht, den mehrere Dekaden alten Radio, an dem Erinnerungen hängen. Dinge eben, die üblicherweise schnell auf dem Müll landen – anders als früher, als Shopping noch keine Freizeitbeschäftigung war und Haushaltsgeräte Jahrzehnte überdauert haben. In der Tabakfabrik Linz wird künftig nun fröhlich gemeinsam geschraubt, gelötet, geklebt und genäht. 

Repair Cafés erleben heute einen weltweiten Boom – denn die die Unzufriedenheit der Menschen über die geplante Obsoleszenz genannte, immer kürzere Lebensdauer von Alltagsgegenständen wächst. Das Veranstaltungsformat „Repair Café“ wurde erstmals 2009 von der niederländischen Umweltjournalistin Martine Postma konzipiert, seither betreut ihre Stiftung „Stitching Repair Café“ tausende Initiativen weltweit. Repair Cafés wollen dazu beitragen, Ressourcen zu schonen, Müllhalden zu entlasten sowie Know-How zu erhalten und weiterzugeben.

„Dass die Ressourcen der Welt nicht unendlich sein können, versteht glaube ich mittlerweile schon jede/r. Offensichtlich wird das etwa bei der Fridays for Future Bewegung, die ja nicht nur die Jungen, sondern auch ältere Generationen beschäftigt. Und der Wahnsinn, dass Waren heute durch die ganze Welt gekarrt werden, abertausende Kilometer, damit man zu einem T-Shirt kommt, das in Europa genauso produziert werden könnte, stört heute auch viele Menschen. Insofern liegen wir da wohl im Trend der Zeit, weil Dinge heute bewusster gekauft werden und es nicht immer etwas Neues sein muss. Ich denke, dafür gibt es mittlerweile ein großes Verständnis“, ist Fred Edlinger überzeugt.

Bildcredit: Volkshilfe OÖ

Zielgruppe junge Menschen

Im Rahmen des Berufspraktikums einer Studentin der Fachhochschule Oberösterreich Campus Linz wurden unter anderem auch die demographischen Daten der KundInnen in vier Volkshilfe Shops erhoben. Mit dem Ergebnis, dass die Zielgruppe der 15- bis 30-Jährigen im Vergleich zu den restlichen Altersgruppen viel zu wenig vertreten ist. Um dem entgegenzuwirken und die Themen Wiederverwertung, Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung verstärkt auch in das Bewusstsein jüngerer Menschen zu rücken, wird der Volkshilfe ReVital Concept Store in der Tabakfabrik ins Leben gerufen, so Fred Edlinger:

„Wir möchten einen ebenso innovativen wie einladenden Anknüpfungspunkt schaffen und ein junges Publikum erschließen. Denn junge Leute gehen heute zwar auf die Straße, aber – ich spreche jetzt von meiner eigenen Tochter, 18 Jahre, sie war bei den Fridays for Future Demos in Linz dabei – wenns jetzt darum geht, Kleidung zu kaufen, dann doch lieber neu. Dabei hätte sie die aufgerissene Jeans um 70 Euro bei uns viel günstiger bekommen, aufgeschnitten hätte ich sie ihr persönlich. Also das Thema Nachhaltigkeit ist bei jungen Menschen auf jeden Fall präsent, doch unsere Angebote für gebrauchte Sachen sind meines Erachtens noch zu wenig hip. In der Tabakfabrik wollen wir das werden.“

Übrigens – aktuell ist die Volkshilfe Oberösterreich noch auf der Suche nach einem griffigen Namen für den ReVital Concept Store in der Tabakfabrik Linz und freut sich über Vorschläge der LeserInnen dieses Blogs. Die Vorgabe ist, dass sich ein Bezug zur Volkshilfe herstellen lässt und die Ideen des Concept Stores (ReVital-Vintageladen, Generationen-Café, Repair- und Nähcafé) über den Namen vermittelt werden.

 

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