Wie das Äußere täuschen kann – oder: Frühlingsgefühle für die Tabakfabrik

Der erste Eindruck ist der wichtigste, heißt es ja so oft. Bei der Tabakfabrik ist es gerade der Blick hinter die Außenmauern, der für mich als neue Praktikantin großes offenbart.

„Die nächsten drei Monate mache ich ein Praktikum in der Tabakfabrik“. Dieser Satz ruft in meiner Heimat, Graz in der Steiermark, zunächst einmal die unweigerliche Gegenfrage hervor: „Tabakfabrik? Also ein Zigarettenhersteller? Aber wie passt das denn zu deinem PR-Studium?“ Sehr gut sogar. In der Tabakfabrik werden nun nämlich schon seit einigen Jahren keine Zigaretten mehr produziert. Die hier anzutreffende Ressource ist nicht länger ein nikotinhaltiges, pflanzliches Produkt, sondern kreatives Potential. Mengentechnisch mindestens so viel, wie in der Fabrik bis 2009 an Tabak weiter verarbeitet wurde.

Im weiteren Verlauf der Unterhaltung versucht man seinem Gesprächspartner also nahezubringen, was die Tabakfabrik heute eigentlich ist. Dabei stößt man anfänglich des Öfteren auf eine recht eindrucksvolle Faltenbildung auf der Stirn des Gegenübers. Das Stirnrunzeln ist allerdings verzeihlich, da in Graz keine ähnlichen Projekte zu finden sind. Gemeinschaftliche Büros kennt man ja. Aber dann gleich eine ganze Fabrik, die da neu bevölkert wird? Dem nahe kommen würde am ehesten die Bebauung des Stadtteils Reininghaus und des Grundes der ehemaligen Reininghaus Brauerei. Über dem ganzen Projekt schwebt aber derzeit noch ein großes Fragezeichen. Als Zuhörer muss man sich erst in die hier vermittelten Dimensionen hineinfühlen und das ist schwierig.

Genauso schwierig etwa, wie sich in dem weitläufigen Areal der Ideenmanufaktur zurecht zu finden. Wer schon mal das Vergnügen hatte, die Tabakfabrik zu besichtigen, weiß, wie es sich anfühlt. Alleine schon mit dem Auto um das riesige Gelände herum zu fahren, auf der Suche nach dem richtigen Eingang, vermittelt einem ein Gefühl der Winzigkeit. Dieses wird noch verstärkt, wenn man erst in der vormaligen Lösehalle steht. Unweigerlich kommt die Idee für eine moderne Version von Hänsel und Gretel auf: Ausgesetzt in der Tabakfabrik und heillos verirrt.

 

Vergleicht man die noch leeren Hallen des Gebildes mit den bereits vermieteten Teilen, begreift man grundlegend, was hier passiert. Ungenütztem Raum wird ein neuer Sinn gegeben. Die wiederbelebten Räume kann man kaum als ehemaliges Fabrikgelände identifizieren.

Doch nicht nur die neuen örtlichen Gegebenheiten stehen im Kontrast zu dem, was man sich von einem Unternehmen namens „Tabakfabrik“ erwarten würde. Auch das Klima ist familiär, herzlich und angenehm – alles Begriffe, die man zunächst nicht mit dem Wort „Fabrik“ in Verbindung bringt. Die nächsten drei Monate als Praktikantin versprechen also schöne und lehrreiche zu werden und ich freue mich darüber, während dieser Teil eines solchen innovativen Projektes zu sein.

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