Punkt 10:10 Uhr

Zwei laute Hupgeräusche hallen durch den Innenhof der Tabakfabrik. Der weiße Lieferwagen hält vor der Stiege A beim Bau 1. Der Flügel an der Seite wird hochgefahren, dahinter kommt eine Vitrine zum Vorschein. Gefüllte Weckerl mit Wurst, Käse und Schinken und belegte Brote. Mehlspeisen und Süßigkeiten. Nudel- und Wurstsalat in kleinen Plastikboxen.

Seit gut einem Jahr passiert Erhard Teichmann jeden Tag um Punkt 10:10 den Schranken in die Tabakfabrik und parkt seinen Wagen wenige Meter weiter vor dem Eingang in den Bau 1. Aus dem Auto heraus verkauft er Jausen an die Mitarbeiter der Tabakfabrik. „Ein jeder hat so seine Vorlieben und Einser-Menüs. Die einen wollen lieber was Süßes, die anderen brauchen schon was Warmes“, erzählt Erhard als er die letzte Topfengolatsche in eine braune Papiertüte packt und augenzwinkernd über die gläserne Theke reicht. Für letztere hat er vormittags auch warmen Leberkäse und heiße Würstel mit im Gepäck.

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Erhard Teichmann verkauft seit über einem Jahr Würstel, Weckerl und Süßes an die hungrigen Menschen in der Tabakfarbik.

Seine tägliche Route verläuft von der Industriezeile über das WIFI bis zur Tabakfabrik, der letzte Stop seiner Vormittagsroute. Um 10:20 geht es zurück in die Firma – die Bäckerei Blaha – um das Mittagsmenü zu laden. Das verkauft er dann in einer weiteren Tour in Asten.

Erhard fährt gerne in die Tabakfabrik, er kennt und mag die Leute. Die Gespräche mit den Kunden kommen bei ihm nie zu kurz. Da wird etwa über den zweiwöchigen erholsamen Urlaub mit dem Wohnmobil geplaudert oder ein Gruß an die kranke Kollegin geschickt. Besonders schätzt er die Gelassenheit, die in der ehemaligen Industrieanlage herrscht: „Jeder ist freundlich, keiner hat einen Stress.“ Der riesige Komplex bringt immer wieder neue Leute zu seinem Verkaufswagen. „Man lernt immer wieder neue Leute kennen, es tut sich immer was“, sagt Erhard mit einem Lächeln. Das Lächeln hat er sowieso immer auf den Lippen, er ist gerne mit Leute zusammen. „Der wos d’Leid mog, den meng ah d’Leid,“ sagt er, als er den Seitenflügel wieder schließt. Morgen um 10:10 wird Erhard wieder hierstehen und jeden Kunden mit einem Lächeln empfangen.

Um Punkt 10:10 hält der Lieferwagen der Bäckerei Blaha vor der Stiege A.

Um Punkt 10:10 hält der Lieferwagen der Bäckerei Blaha vor der Stiege A.

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