Paradiesische Zustände in der Tabakfabrik Linz

Foto: Laura Krok

Nirwana, Olymp, Garten Eden, Dschanna, Insel der Seligen, Himmel, Elysium. – Die Fülle an Bezeichnungen für den Begriff Paradies macht deutlich, wie unterschiedlich die Vorstellung von diesem wunderbaren Reich der Luftschlösser und Wunschträume ist.

Ideale Orte außerhalb der Realität sind das Thema der Masterarbeit „Paradies ist da, wo ich bin“ der jungen Künstlerin und Designerin Laura Krok, die in der Tabakfabrik Linz präsentiert wurde und eine Auszeichnung erhielt.

Foto: Laura Krok

Foto: Laura Krok

„Auf die Idee, mich mit dem Thema Paradies zu beschäftigen, bin ich während meines Erasmus-Aufenthaltes in Mailand gekommen. Damals habe ich eine Ausstellung besucht, die sich mit der Entwicklung positiver Zukunftsszenarien auseinandergesetzt hat. Davon inspiriert, wollte ich mich einem ebenso positiven Thema widmen. Also habe ich mir die Frage gestellt, was das Paradies eigentlich ist oder sein kann. Das ich während meiner Suche auf immer mehr Antworten gestoßen bin, hat die Suche zwar erschwert, letztendlich aber auch immer abenteuerlich und spannend gehalten“, erzählt Laura Krok.

Teil ihrer Masterarbeit ist auch eine Ausstellung im zur temporären Galerie umgebauten Zugwaggon in der Tabakfabrik Linz. Dort gestaltete Laura Krok unter dem Titel „Institut für Paradiesforschung“ eine Art Wunderkammer für unterschiedlichste paradiesische Visionen – bestehend aus Objets trouvés, Audio-Arbeiten, Installationen, Zeichnungen und Fotografien.

Laura Krok - Paradiesforschung 3

Foto: Laura Krok

„Der Installationsraum, diese Art Wunderkammer, nimmt BesucherInnen mit auf eine Reise in Richtung Paradies. Im Zugwaggon, in dem die Arbeit präsentiert wird, sind mehrere Stationen aufgebaut. Jede dieser Stationen (formal betrachtet sind das Reisekoffer) erzählt von einer anderen paradiesischen Entdeckung, die ich während dieser Reise gemacht habe. Beispielsweise gibt es hier Objekte, Landkarten, Fotografien, Postkarten, Musikaufnahmen oder auch Interview-Beiträge zu sehen bzw. zu hören. Es sind Fragmente, die das Paradies jeweils aus einem zeitlichen und örtlichen Kontext herausheben um es dann visuell oder akustisch in Szene zu setzen“, so Laura Krok.

Ihre intensive Erforschung vergangener und gegenwärtiger Paradiesvorstellungen führte die Künstlerin und Designerin auf eine Entdeckungsreise durch verschiedene Religionen, Epochen und Kulturen:

„Angefangen habe ich beim etymologischen Sprachgebrauch des Begriffes, also seiner Geburt, da ich wissen wollte wo bzw. wie die Idee vom Paradies überhaupt entstanden ist. Danach habe ich einige Paradiesdefinitionen aus der Antike, Neuzeit, Moderne und Postmoderne herauskristallisiert. Dabei war es sehr spannend zu erkennen, wie sich bestimmte Aspekte vom Paradiesbegriff einerseits parallel zur kulturgeschichtlichen Entwicklung ständig weiterentwickeln, andererseits in mancher Hinsicht jedoch auch gar nicht ändern. Für mich ist das Paradies wie ein „Symptom“ unserer Gesellschaft. Ein Wunschbild, das wir haben, welches auf einen bestimmten Mangel in der Gesellschaft verweist. Je nachdem, in welcher Zeit, an welchem Ort oder in welcher Gegebenheit wir uns befinden, entsteht dann eine bestimmte Paradiesvorstellung. Besonders auseinandergesetzt habe ich mich mit der Paradiesidee in der heutigen, virtuellen Welt, wie beispielsweise bei Computer-Spielen oder Social-Media-Plattformen, in der bestimmte archetypische Sehnsuchtsbilder aus der Urzeit wieder auftauchen, wenn auch in abgewandelter Form.“

Foto: Laura Krok

Foto: Laura Krok

Laura Kroks paradiesisches Ausstellungsprojekt lockt Besucherinnen und Besucher bis zum 19. Oktober in der Tabakfabrik Linz auf eine Expedition in utopische Gefilde und phantastische Lebensräume.

Ihr Hauptziel im Zuge dieser Masterarbeit ist, „die von mir vorgefundenen Paradiesfragmente erfahrbar, hörbar oder spürbar zu machen. Letztendlich möchte ich die BesucherInnen des „Instituts für Paradiesforschung“ für den universellen, kollektiven Sehnsuchtsgedanken, der hinter diesen Paradies(t)räumen steckt, sensibilisieren und dazu einladen, eigene Definitionen zu finden“.

Foto: Laura Krok

Foto: Laura Krok

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