Aufbruch nach A-Laska: Startschuss für den Abriss der Zwischenmagazine der Tabakfabrik Linz

Architekt DI Helmut Siegel

Der Gemeinderat der Stadt Linz hat am 21. September 2017 der Finanzierung für die Öffnung des Kreativareals Richtung Hafenviertel zugestimmt. Die Entfernung der Zwischenmagazine aus dem Jahr 1969 ermöglicht einen Zugang zur Tabakfabrik direkt von der Holzstraße aus und schafft damit neue Impulse für ein ganzes Stadtviertel.

Die Entfernung der Zwischenmagazine macht den Weg frei: So könnte der Durchgang vom Peter-Behrens-Platz Richtung Osten zur Holzstraße in Zukunft aussehen. Visualisierung: Architekt DI Helmut Siegel im Auftrag der Firma Laska

Die Mauer zur Holzstraße auf dem Grundstück des benachbarten Familienunternehmens Laska ist bereits im Sommer gefallen: Mit dem nun bevorstehenden Abriss der beiden sogenannten Zwischenmagazine folgt die nächste Bauetappe, die die Tabakfabrik Linz mit ihrem atmosphärischen Innenhof (Peter-Behrens-Platz) Richtung Osten öffnet. Die Entfernung der beiden nicht denkmalgeschützten Gebäude stellt wichtige Weichen für die Stadtentwicklung – als Scharnier für die Ausdehnung des Stadtzentrums Richtung Osten, für die Neuausrichtung des Hafens als Freizeitoase und für die konsequente Weiterentwicklung der Tabakfabrik.

„Mit dem Neubauprojekt im Westen und der nun beginnenden Durchörterung im Osten des Areals sind sämtliche Voraussetzungen geschaffen, damit die Tabakfabrik Linz als Leuchtturmprojekt der Digitalisierung und kreativen Industrien in alle Himmelsrichtungen ausstrahlen kann. Mittlerweile sind bereits 717 Personen am Areal tätig, 106 Unternehmen und Organisationen haben sich hier angesiedelt. In den Magazinen der Tabakfabrik entsteht nun ein zusätzlicher Hotspot, an dem Start-ups unter anderem die neuesten Entwicklungen in den Bereichen Mechatronik, Robotik und Sensorik vorantreiben werden. Nicht zuletzt hat die Öffnung der Tabakfabrik Richtung Hafenviertel für unsere Stadt eine strategische Bedeutung und ist daher eine nachhaltige Investition: Denn die Tabakfabrik ist sozusagen das Flagschiff für die Neugestaltung des Hafenviertels, das derzeit zu den wichtigsten und spannendsten Stadtentwicklungsgebieten von Linz zählt“, sagt Bürgermeister Klaus Luger, Aufsichtsratsvorsitzender der Tabakfabrik Linz.

Mut zur Lücke

Dass sich die Magazine der Tabakfabrik Linz heute wie ein riesiger monolithischer Block präsentieren, ist der stetig wachsenden Tabakproduktion in den 1960er-Jahren geschuldet: In den Jahren 1963 bis 1965 wurden zunächst die Magazine 2 und 3 aufgestockt und so zusätzliche Lagerfläche für kostbaren Rohtabak geschaffen. Weil der Platzbedarf damit immer noch nicht gedeckt werden konnte, entstanden im Jahr 1969 zwei zusätzliche Magazine, die sogenannten Zwischenmagazine, situiert zwischen Magazin 1 und 2 bzw. 2 und 3. Beide Gebäude sind nicht denkmalgeschützt und erweisen sich bei genauerer Betrachtung nicht mit der architektonischen Qualität der von Stararchitekt Peter Behrens geschaffenen Magazine 1 und 2 aus den 1930er-Jahren vergleichbar.

Historisches Modell der Tabakfabrik Linz, das die Magazine 1 bis 3 mit den Verbindungsbrücken zeigt. Das Magazin 3 verfügte vor seiner Aufstockung in den Jahren 1963 bis 1965 noch über ein Walmdach. Foto: Tabakfabrik Linz

Nicht zuletzt aus dieser Perspektive ebnet die Entfernung der Zwischenmagazine auch den Weg für die Wiederherstellung der Tabakfabrik Linz in ihren Urzustand gemäß den Auflagen des Bundesdenkmalamts. Dessen Sichtweise deckt sich auch mit den Empfehlungen des von der Stadt Linz ausgelobten Europan-Wettbewerbs sowie den Plänen der Tabakfabrik Linz Entwicklungs- und Betriebsgesellschaft. Denn erst durch den Abriss der Zwischenmagazine entstehen zwischen den Behrens-Magazinen großzügige Durchgänge. Diese können in Zukunft als Büros, Ateliers oder Werkstätten genutzt werden und erfahren dadurch eine erhebliche Wertsteigerung.

„Durch den Abbruch der Zwischenmagazine werden große Teile der verbleibenden Magazingebäude neu nutzbar gemacht. Diese haben derzeit keine ausreichende Belichtung und Belüftung und können daher aktuell nur als Lager genutzt werden. Nach der Entfernung der Zwischenmagazine gewinnen wir wieder Möglichkeiten, die überwältigende Nachfrage nach Flächen in der Tabakfabrik zu decken. Außerdem ist mit diesen Neuvermietungen die Investition für die Abbrüche auch wirtschaftlich profitabel“, erklärt Markus Eidenberger, Kaufmännischer Direktor der Tabakfabrik Linz und Geschäftsführer der Immobilien Linz GmbH & Co KG.

1, 2 oder 3 – Neues Leben in den Magazinen

Erst die Entfernung der Zwischenbauten macht eine über die derzeitige Nutzung als Lagerflächen hinausgehende Verwendung und Verwertung der zum Großteil fensterlosen denkmalgeschützten Magazine sinnvoll und möglich. Insgesamt stehen in den Magazinen 1, 2 und 3 18.000 Quadratmeter Nutzfläche (ohne Keller) zur Verfügung – die gesamte Tabakfabrik verfügt über mehr als 80.000 Quadratmeter Nutzfläche.

„Nach beinahe 50 Jahren baulicher Abschottung durch die nachträglich eingefügten Zwischenmagazine wird nun durch deren Entfernung der Weg frei, die Tabakfabrik noch offener und durchgängiger zu machen. Kollaboration verlangt nach offenen Systemen und auch nach baulicher Offenheit. Die Architektur passt sich somit immer mehr an dieses in der Tabakfabrik gelebte Prinzip an“, sagt Chris Müller, Direktor für Entwicklung, Gestaltung und künstlerische Agenden.

In Zukunft kommt den aufgewerteten Magazinen der Tabakfabrik  die Aufgabe zu, die dynamische Ökologie am Areal abzubilden und Orte und Einrichtungen zu schaffen, die in der Tabakfabrik noch fehlen bzw. die logische Konsequenz der bereits vorhandenen Milieus und Disziplinen sind.

Dem direkt an der Unteren Donaulände situierten Magazin 1 wird unter anderem als „Art Magazine“ neues Leben eingehaucht. Dort entstehen etwa Ateliers für zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler, Studios für Kreative sowie hochwertige Lagerflächen und Depots. Das Magazin 2 wird genauso durch die Entfernung der Zwischenmagazine profitieren wie das Magazin 3, wo schon bald die Innovationswerkstätte der CAP.future beheimatet sein wird. Der interdisziplinäre Makerspace auf mehreren Ebenen verfügt auch über eine ausgezeichnete logistische Anbindung an den Bau 1.

Auf gute Nachbarschaft

Zwischen der Tabakfabrik und dem Grundstückseigentümer im Osten, dem Linzer Traditionsbetrieb Laska, besteht bestes Einvernehmen. Die Entfernung der Zwischenmagazine ist eine Win-Win-Situation, seitdem sich beide Seiten auf ein Neugestaltungskonzept in Form eines Flächenabtauschs geeinigt haben. Laska beabsichtigte ursprünglich aus akuter Platznot einen Neubau, der der Öffnung der Tabakfabrik Richtung Osten buchstäblich einen Riegel vorgeschoben hätte. Nun erhält das Familienunternehmen als Abgleich für den Verlust an Nutzfläche, der sich durch den Verzicht auf einen Neubau ergibt, ein Fruchtgenussrecht für 650 Quadratmeter Nutzfläche im Magazin 1. Im Gegenzug räumen die Eigentümer von Laska der Tabakfabrik ein Geh- und Fahrtenrecht über ihre Liegenschaft ein, das auch öffentliche Nutzungen umfasst und erstmals eine Verbindung zur Holzstraße ermöglicht.

Zugang zum Tabakfabrik-Areal von der Holzstraße mit neu gestaltetem Firmengebäude von Laska. Im Bildhintergrund das Medicent an der Unteren Donaulände. Visualisierung: Architekt DI Helmut Siegel im Auftrag der Firma Laska

 

 „Die Gründergeist-Atmosphäre, die heute das Leben und Arbeiten in der Tabakfabrik Linz bestimmt, ist für Laska eine große Bereicherung. Auch als traditionsreicher Familienbetrieb muss man sich ständig verändern, durch Innovationen neue Nischen besetzen und dem aktuellen Zeitgeist Rechnung tragen. Die erfreuliche Kooperation mit der Tabakfabrik bedeutet einen Durchbruch für alle Beteiligten, der sich auch positiv auf die Entwicklung des gesamten Viertels auswirken wird. Unsere Visualisierungen zeigen, wie sich der an Laska angrenzende, bislang kaum genutzte Teil des Tabakfabrik-Areals in einen großzügigen, einladenden Entréebereich verwandelt, der als neuer Eingang zum Innenhof des Industriejuwels für zusätzliche Frequenz sorgen wird“, sagt Herbert Laska.

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