„Red Jobs“ – Wir für uns, Arbeitswelten gleich hinter der Gegenwart.

Bild: Glenn Müller, 8 Jahre

Es gibt Green Jobs, Schwarzarbeit, Blaue Montage. Und wenn es nach Chris Müller geht, in Zukunft auch „Red Jobs“. Das heißt für ihn: “Wir sind abgesichert, können kreativ sein, helfen der Entwicklung der Gesellschaft und haben einen erfüllenden Arbeitsplatz, von dem wir verdammt gut leben können.“

Maschinen ersetzen zusehends Menschen, Effizienzsteigerung und Kostenoptimierung erzeugen Druck, die Arbeitslosenquote steigt und psychische Erkrankungen am Arbeitsplatz nehmen zu: Tendenzen wie diese manifestieren sich nicht nur als handfeste Probleme, sondern kündigen im Grunde, zumindest in Europa, auch das Ende der klassischen Erwerbsarbeit an.

Ein Paradigmenwechsel, den man viel zu lange ignoriert habe, konstatierte Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt bei der Sicherheitskonferenz in München 2014: „Die Europäer überschätzen ihre Bedeutung und sie feiern ihre Bedeutung durch die Taten die sie in den letzten 50 Jahren zustande gebracht haben. Das ist keine Garantie, dass sie in den nächsten 40 Jahren überhaupt noch eine Rolle spielen. Das Einzige was ich dagegen empfinde ist die Tatsache, dass die ganze Welt europäische Musik horcht. Die braucht man nicht in eine fremde Sprache übersetzen und außerdem ist die europäische Malerei weit verbreitet und darüber hinaus die große europäische Romanliteratur.“

Der Geist versus das Geld

Definiert man den Begriff Wertschätzung im Wortsinn als Schätzen des Werts, so wird eines deutlich: Wir unterschätzen den Wert von Kreativität als Triebfeder für die Innovationskraft unserer Gesellschaft. Es ist Zeit dies zu ändern!

Ein für Europa beispielgebender Präzedenzfall ist deshalb Italiens Reaktion auf die Abstufung der nationalen Kreditwürdigkeit durch die drei größten US-amerikanischen Rating-Agenturen Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch im Jahr 2011. Der italienische Rechnungshof fechtet diese Entscheidung an und fordert eine Entschädigung in der Höhe von 234 Milliarden Euro, weil der kulturelle und landschaftliche Reichtum des Landes in der Bewertung unberücksichtigt blieb, obwohl die wirtschaftliche Kraft des Landes zu einem ganz wesentlichen Teil auf dem Liebreiz der Landschaft, der Kostbarkeit der Kunstschätze und der historischen Bedeutung der Region beruht. Auch so kann die öffentliche Hand das Armdrücken gegen die unsichtbare Hand des Marktes gewinnen.

In diesem Sinne gilt es in ganz Europa, sich auf die eigenen Stärken zu berufen und diese auszubauen. Für die Denkschmiede der Tabakfabrik Linz rund um Direktor Chris Müller ist es deshalb das Gebot der Stunde, sich dem Thema mit empathischer Kraft und intellektuellem Pioniergeist zu nähern, Allianzen zu schmieden und ein neues Bewusstsein zu schaffen: Sowohl für die Ingeniosität, die mit Kulturleistungen einhergeht, als auch für die Notwendigkeit, den Faktor Arbeit neu zu deuten und geistige Arbeit endlich angemessen zu entgelten.

Foto: Florian Voggeneder

Foto: Florian Voggeneder | any:time architekten

Das Modell „Red Jobs“ verwandelt Druck in Schubkraft. Maschinen können Prozesse optimieren, Kapazitäten steigern. Doch Kreativleistungen können sie – zumindest im Moment – noch nicht erbringen. Nicht zuletzt deshalb ist die menschliche Kreativität ein steigender Wert, auch im Kräftemessen der Kontinente, krisenfest und zukunftstauglich. Bescheidenheit im Geiste ist nicht angebracht, intellektuell unter unseren Verhältnissen zu leben bedeutet Stillstand und der ist Rückschritt. Wir brauchen aber Schritte nach vorne, so wie wir Vorbilder und keine Nachbilder brauchen und Vorhaltigkeit anstatt Nachhaltigkeit. Wir müssen also unsere Vorstellungen auf Vordermann und Vorderfrau bringen.

Welchen Fortschritt wir wollen muss jedoch verhandelt werden. Wie die Kumpel aus den Minen ist es unsere Aufgabe, nach Bodenschätzen zu suchen und diese zu bergen. Gesellschaftliche Grundstoffe, die für eine stetige Erneuerung der Gesellschaft unerlässlich sind. Schätze, die als Erkenntnisse, Utopien oder Innovationen gehandelt werden und nicht fossil sind. Werte, die durch Kunst, Kultur, Forschung oder Bildung entstehen und sich durch Förderung vermehren anstatt sich durch Abbau verringern.

„Break the rules. Not the law“

Foto: Chris Müller

Foto: Chris Müller

Kreative Berufe müssen immer wieder Grenzen überschreiten um Entwicklung vorwärtszutreiben. Vorauseilender Gehorsam, kontrolliert von einer geistigen Grenzpatrouille, bedeutet Mittelmaß innerhalb der und durch diese geschlossenen Systeme. Hingegen sind offene, autopoietische Systeme und Versuchsfelder Freiräume. Freiräume, die Freiheit durch Raum und nicht Freiheit von Raum bedeuten.

Das vielleicht berühmteste offene, autopoietische System der Welt ist heute Wikipedia. Am Anfang der 2003 gegründeten Wikimedia Foundation stand ein Traum, der als unerreichbare Utopie belächelt wurde: „Imagine a world in which every single human being can freely share in the sum of all knowledge. That’s our commitment.“ Doch der Traum wurde in Windeseile Wirklichkeit und Wikipedia die wichtigste Wissenssammlung der digitalen Welt, an deren Bedeutung heute niemand mehr zu zweifeln wagt. Wikipedia ist auf globaler Ebene nicht nur von unschätzbarem Wert für den freien Zugang zu Information, sondern hat auch den Schulunterricht völlig verändert und die Grundwerte des World Wide Webs dauerhaft geprägt.

Die kanadische Journalistin Sue Gardner, die von 2007 bis 2014 als Geschäftsführerin der Wikimedia Foundation tätig war, fasste die Entwicklung und die gesellschaftsverändernde Macht von innovativen Ideen in einem Blogartikel zu ihrem Abschied zusammen: „When I joined, the Foundation was tiny and not yet able to reliably support the projects. Today we’re healthy, thriving, and a competent partner to the global network of Wikimedia volunteers. […] I’ve always aimed to make the biggest contribution I can to the general public good. Today, this is pulling me towards a new and different role, one very much aligned with Wikimedia values and informed by my experiences here, and with the purpose of amplifying the voices of people advocating for the free and open internet. I don’t know exactly what this will look like — I might write a book, or start a non-profit, or work in partnership with something that already exists. Either way, I strongly believe this is what I need to do.”

So wie Wikipedia sind auch sogenannte Kreativquartiere Ermöglichungsorte, die heute als Keimzelle für innovative gesellschaftsrelevante Ideen und ökonomischen Erfolg fungieren. Entscheidend ist der Raum zur Entfaltung, wie jener der Tabakfabrik, wo interdisziplinär gedacht, gearbeitet und kollaborative Effekte generiert werden. Optimierungs- und Automatisierungsprozesse verlieren ihre Bedrohlichkeit und verkörpern vielmehr ein Anreizmodell, indem sie monetär abgegolten werden und jenen zugutekommen, die sie erbringen. Effizienzsteigerung schafft also Raum im Sinne von Zeit. Zeit, die wiederum Raum für Kreativität schafft. Und Kreativität schafft universelle Innovationen. Innovationen schaffen Jobs und Werte.

Foto: a_kep

Foto: a_kep | Ars Electronica Solutions

Das Modell „Red Jobs“ basiert somit auf einem fair verteilten Bezahlungsmodus, der für Chris Müller nicht ausreichend unter dem Begriff „Maschinensteuer“ firmiert werden kann, aber darauf aufsetzt und eine Weiterentwicklung der Idee von Ex-Sozialminister Dallinger darstellt.

Während mit dem in den 1970er-Jahren geprägten Begriff der Maschinensteuer bis dato lediglich eine indirekte Fiskalabgabe in Gestalt eines zusätzlichen Beitragsanteils zur Sozialversicherung bezeichnet wird, um Lohnsummenverluste ausgleichen, die durch die zunehmende Rationalisierung der Arbeitsplätze durch Maschinen und Computer entstehen, plädiert Chris Müller für die Neudefinition des Terminus im Sinne einer direkten Steuer: „Die Wertschöpfung der Maschinen muss in einen Innovationstopf fließen, der wiederum Innovationen generiert, die neue Wertschöpfung schaffen. Um zu gewährleisten, dass technologischer Fortschritt auch tatsächlich der Gesamtheit der Gesellschaft zugutekommt, die Kluft zwischen Arm und Reich verringert, den Zeitwert und in Summe die Lebensqualität erhöht. Derzeit profitieren nur wenige von der Effektivitätssteigerung. Es wäre viel sinnvoller und gerechter, die Gemeinschaft zu belohnen, die dafür den Grundstein gelegt hat. Die Gesellschaft wird immer effizienter durch unsere kollektiven Erfindungen. Den Gewinn (Zeit/Gewinn) der durch das Kollektiv erwirtschaftet wird, wird nicht mehr an die Gesellschaft zurückgeführt, sondern nur an einige wenige. Dieses Ungleichgewicht müssen wir tunlichst austarieren.“

Denn kreative Neuerungen und technologischer Fortschritt sorgen schließlich für eine ständige Erhöhung der Effektivität. „Dadurch wird die benötigte menschliche Arbeitsleistung rapide abnehmen. Wenn wir dieser Entwicklung nicht mit einer radikalen Struktur- und Bewusstseinsänderungen begegnen, wird uns das Problem Arbeitslosigkeit mit seinen vielfältigen negativen Effekten über den Kopf wachsen“, so Chris Müller.

Wenn sich Leitindustrien, die als wichtigste Indikatoren für die ökonomische Gesamtentwicklung gelten, wie etwa die Bauwirtschaft, komplett umstellen, dann werden die Auswirkungen der Mechanisierung für alle ArbeitnehmerInnen spürbar sein. Dieser technische Progress ist nicht mehr aufzuhalten, kann jedoch mit gemeinsam entwickelten Strategien in richtige Bahnen gelenkt werden. Aber die Zeit drängt. Das offenbart das Architekturbüro “Coop Himmelb(l)au” mit dem Bau des “MOCAPE Museum of Contemporary Art & Planning Exhibition” in Shenzhen. Im Interview mit dem Magazin „ArchDaily“ sagt der Gründer von „Coop Himmelb(l)au, Wolf D. Prix: “I think this will be the first building which is built by robots, only by robots. From the production of the elements in the factory, up to the construction of the real building, only by robots. If this takes place on a global scale, it will spark a revolution in an industry which has remained largely the same for 5000 years. The architect must think about the consequences of this technological revolution. A serious point of discussion in the near future will be the fact that builders could be out of work once their jobs are replaced by machines.”

Schließlich gilt die beginnende cyber-physische Revolution mit ihren bahnbrechenden Folgen heute lediglich als Auftakt für weit tiefgreifendere Veränderunge sämtlicher Lebens- und Arbeitsbereiche. Unter dem Titel „Industrie 4.0“ (Internet der Dinge) wird gleich nach der Gegenwart die gesamte Wirtschaft auf den Kopf gestellt.

Den cyber-physischen Systemen, wie der Verbund informatischer, softwaretechnischer Komponenten mit mechanischen und elektronischen Teilen, die über eine Dateninfrastruktur, wie z. B. das Internet, kommunizieren, bezeichnet wird, gelingt es die Industrien „smarter“ zu machen. Neben einem intelligenten Stromnetz oder der Konstruktion neuartiger Industrieproduktionsanlagen, die sich hoch dynamisch an die jeweiligen Produktionserfordernisse anpassen können, wird es abseits der Definitionsfrage von Erwerbsarbeit auch zu anderen Fragestellungen kommen die wir bestenfalls vorhaltig beantworten sollten.

Wie werden wir umgehen mit einer unfassbar große Menge an Daten, die beinahe als Nebenprodukt produziert werden aber verknüpft ein Profil erstellen, die alles von uns wissen lassen? Welche Auswirkung hätte es, wenn elektrische Zahnbürsten dem Zahnarzt und der Versicherung verraten wie oft und wie lange wir tatsächlich putzen? Was könnte man hochrechnen wenn der Autositz unser eventuelles Übergewicht misst, die gehäufte Nutzung der Sitzheizung aufzeichnet, diese mit der Außentemperatur vergleicht und die Daten weitergibt?
Klar ist, Facebook, Apple Watch und Co werden diese Entwicklungen extrem dynamisieren. Und ob auch diese Medaille wenigstens zwei Seiten hat müssen wir entscheiden.

Die cyber-physischen Systeme decken jedenfalls ein breites, noch nicht vorherzusagendes Spektrum möglicher Bereiche ab, in denen sie zum Einsatz kommen können. Von Infrastruktursystemen für Kommunikation und Kultur über altersgerechter Assistenzsysteme, IT-Verkehrssteuerungs- und Verkehrslogistiksysteme, vernetzte, industrielle Prozesssteuerungs- und Automationssysteme, bis zu nachhaltigen Umweltbeeinflussungs- und Beobachtungssystemen, Energieversorgungsmanagementsystemen und „natürlich“ militärischen Systemvernetzungssystemen.

Der von den digitalen Medien beförderte Trend, alles mit allem zu vernetzen, ist also längst nicht mehr auf virtuelle Welten beschränkt, sondern verknüpft reale Räume zu einem „globalen Dorf“, wie der bekannte Medienphilosoph Marshall McLuhan in seinem Buch „Die Gutenberg-Galaxis“ bereits 1962 auf visionäre Weise vorhersagte. In seinem Werk „Understanding Media“ schreibt er 1964: „Today, after more than a century of electric technology, we have extended our central nervous system itself in a global embrace, abolishing both space and time as far as our planet is concerned.“ Und schon 1926 prognostizierte Marshall McLuhans Vordenker, der genialische Erfinder Nikola Tesla: „When wireless is perfectly applied the whole earth will be converted into a huge brain, which in fact it is, all things being particles of a real and rhythmic whole.“

Begreift man den vernetzten Globus als riesiges Gehirn wird offensichtlich, dass dieses Gehirn, so wie das menschliche, für die Bewältigung verschiedener Aufgaben hochspezialisierte Bereiche ausbildet. Gemäß des Prinzips der Schweizer Uhrmacherstadt La Chaux-de-Fonds, deren Häuserzüge und Straßen nach ihrer Rolle im Fertigungskreislauf wie in einer Fabrik angeordnet sind, entwickeln nun Städte, Länder und ganze Kontinente unterschiedliche Schwerpunkte und erfüllen einen Zweck, eine Funktion in der globalen Produktionskette der „Industrie 4.0“. Nach den Prinzipien dieser Supply Chain fungieren Kunst und Forschung als Impulsgeber für Innovationen, neuartige Produkte oder Dienstleistungen, die von der Kreativwirtschaft aufgegriffen und zu Prototypen entwickelt werden. Prototypen, aus denen Handwerk und Industrie schließlich Massenwaren erzeugen.

Im Gegensatz zu Chinas stark differenzierten Hypercities, die als Werkbank der Welt den Schlusspunkt der internationalen Produktionskette bilden, sollte Europa an ihrem Anfang stehen. Und zwar mit dem Zweck, neuartige Ideen oder Konsumgüter zu konzeptionieren, Utopien zu schmieden, in Bildung zu investieren und Fortschritt durch Forschung voranzutreiben. Als Nährboden und Inspirationsquelle birgt die reiche kulturgeschichtliche Vielfalt des Kontinents ein außergewöhnliches Potential für die Fokussierung auf Kreativität.

Um die Rolle Europas als Motor für Innovation auf lange Sicht zu stärken muss im Sinne des Social Designs der Mensch den Mittelpunkt aller Überlegungen darstellen. Diese Prämisse, die bereits dem visionären Architekten und Corporate Design Erfinder Peter Behrens als Fundament für die zeitlose Gestaltung der Tabakfabrik Linz diente, ist im Licht aktueller technischer Leistungsfähigkeit wohl von ungleich größerer Bedeutung für die Formung gesellschaftlicher Rahmenbedingungen. Als Dreh- und Angelpunkt gilt in diesem Zusammenhang die Frage: „Welchen Fortschritt wollen wir?“

Freiheit von Mangel und Furcht

Ein zentrales Ziel muss sein, Menschen von jener reinen Erwerbsarbeit zu befreien, die immer mehr in Niedriglohnländer abwandert oder von Maschinen erledigt wird. „Wenn die Angst vor sozialem Absturz oder gar Verelendung verschwindet werden wir merken, welche enorme Kreativität und Innovationskraft in uns schlummert. Diese gilt es zu fördern und zu bündeln um ihre Effekte für die Gesellschaft zu generieren“, sagt Chris Müller, der sich auch schon Gedanken um die Ausbildung von Red Jobbern macht.

Er setzt dabei nicht nur auf den theoretischen Diskurs, sondern vor allem auch auf praktische Erfahrung. Flexible Hands-on-Mentalität, kreatives Denken, vernetzte Projektplanung und die menschliche Problemlösungskompetenz rücken in den Fokus. Als erster kollaborativer Konzern wird die Tabakfabrik Linz selbst zur Ausbildnerin der Lehrlinge. Die Unternehmen am Areal fungieren dabei als Bildungskollektiv, in dem Trainees selbst herausfinden können wo ihre Talente liegen. Das facettenreiche Umfeld beflügelt, Auszubildende arbeiten sofort an realen Projekten und die Bedeutung der eigenen Arbeit erhöht Selbstwert und Disziplin gleichermaßen. „Aber nicht weil die „Lehrlinge“ etwas auswendig lernen müssen, sondern weil das Plakat für die Opernaufführung bereits gedruckt ist, und sie gemeinsam mit den anderen das Bühnenbild fertigstellen müssen. Sie erhalten eine universelle Ausbildung, ein wichtiges Fundament zur Ausformung der eigenen Expertise“, erläutert Chris Müller.

Nach Art und Konzeption des Bauhaus in Dessau strebt auch die Tabakfabrik Linz nach einer Zusammenführung von Kunst und Handwerk, ergänzt um neue Disziplinen. Ein Ort der Theorie als auch der Praxis. Sowohl als auch, statt entweder oder.

„Auf der Basis der Idee einer Arbeitsstiftung soll es Menschen möglich sein, sich Ihrer Talente und Bedürfnisse bewusst zu werden um dann neue Formen von Arbeit zu entwickeln. Wir wissen nicht, welche Berufe wir in den nächsten zehn Jahren benötigen werden. Wir wissen nur, dass die gegenwärtigen Berufe nicht ausreichen werden, um Arbeitsplätzte zu schaffen, in denen Menschen gut verdienen aber v.a. intrinsisch motiviert sind. Durch eine Projektgruppe werden die wichtigsten Themen für die Schaffung der Arbeitsstiftung Zukunft der Arbeit erarbeitet und auch ein Kostenplan geschaffen für die Dauer einer Lehre. Begleitet wird dieser Prozess idealerweise durch einen Dokorand im Bereich Sozialwirtschaft oder Soziologie, um die Ergebnisse und Projekte aussagekräftig evaluieren zu können“, sagt der Consulter und Zukunftsforscher Helmut Pürstinger, der das Projekt von Anfang an inhaltlich und wissenschaftlich begleitet.

Foto: Florian Voggeneder

Foto: Florian Voggeneder | sit_designbureau

Die „Red Jobs“ sollen in der Tabakfabrik geformt, gelebt und erprobt werden, doch keineswegs auf das Areal begrenzt bleiben, betont Chris Müller: „Linz und Oberösterreich sind hier geradezu ein ideales Kraftfeld um gemeinsam, mit Elan, Spielfreude und Kooperationswillen die Arbeitswelten auf den Kopf zu stellen und dabei eine internationale Vorreiterrolle einzunehmen.“
Um der fundamentalen Veränderung unserer Berufswelt, von der Industriegesellschaft zur Kreativ- und Wissensökonomie, Rechnung zu tragen, fungiert die Tabakfabrik Linz als neoindustrielle Produktionsstätte für kulturelle und kreative Industrien. Ein Entwicklungskonzept, das nicht nur im Rahmen von Studien oder internationalen Stadtentwicklungs- und Zukunftskongressen bereits als Erfolgsbeispiel gehandelt wird, sondern nun auch Gegenstand eines sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsprojekts der Johannes Kepler Universität ist. Ziel dieser Untersuchung des Instituts für Organisation und globale Managementstudien unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Robert Bauer ist es, im Bereich der Kreativitätsforschung neue Erkenntnisse zu gewinnen und bestehende Thesen zu überprüfen.

Im weltberühmten Behrens-Bau soll so der Startpunkt für eine Neugestaltung der Arbeitswelt gesetzt werden, die geänderte Vorzeichen in der Entwicklung von Mensch und Technologie berücksichtigt, lautet Chris Müllers Vision: „Dafür müssen wir jene Momente, in denen Innovationssprünge entstehen, erforschen, erklären, evaluieren, fördern und steuern. Nur so können wir die Rahmenbedingungen schaffen, um unsere Ideen auch über die Tabakfabrik hinaus in die Welt zu tragen. Frei nach Herman Melvilles epischem Roman Moby Dick: „Wir müssen Land riechen wo noch kein Land ist.“

 

Textautor:

Chris Müller, Direktor der Tabakfabrik Linz und Initiator des Projekts „Red Jobs“

Entstanden ist dieser Text unter MitautorInnenschaft von:

Nina Fuchs, Texterin und Pressesprecherin der Tabakfabrik Linz
Maria Dietrich, Kommunikationsexpertin

 

Einladung zum Mitdenken:

Dieser Blogbeitrag versteht sich als Einladung zum Mitdenken. Der Text und die Zitate stehen zur freien Verfügung und können auch von JournalistInnen für ihr Medium verwendet werden.

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