Rohstoffgewinnung durch Zweckentfremdung

Reporting from the Front: 2° parte, mostra all’ Arsenale

Biennale di Venezia befeuert brandaktuelle Ideen für die Neugestaltung der Tabakfabrik Linz

In der schier unendlichen Weite der Wüste steht eine Frau auf einer Haushaltsleiter und macht durch diesen Wechsel der Perspektive eine unglaubliche Entdeckung. Das diesjährige Sujet der 15. Architekturbiennale in Venedig zeigt die deutsche Archäologin Maria Reiche, die den Sinn der berühmten Nasca-Linien entschlüsselte, indem sie auf eine geliehene Leiter stieg.

Geänderte Blickwinkel oder Betrachtungsweisen eröffnen neue Erkenntnisse und bilden das inhaltliche Fundament der 15. Biennale di Venezia. Als Umschlagplatz für Erfindergeist, innovative Ideen, Wagemut und Kreativität verhandelt die heurige Leistungsschau des internationalen Architekturschaffens Themen, die für die Entwicklung der Tabakfabrik Linz von brennender Aktualität sind: Ressourcenschonung, Urbanisierung, Partizipation und Social Design.

Foto: Chris Müller

Paulo David | Inverted Ruins

Unter dem Titel „Reporting from the front“ macht die diesjährige Biennale den Mensch und seine existentiellen wie immateriellen Bedürfnisse zum Maßstab für architektonische Qualität im Dienst einer sozial gerechteren Gesellschaft und lebenswerten Zukunft.

„Wie keine andere Ausstellung dokumentiert die Biennale in Venedig den State of the Art der weltweiten Architekturszene und bildet daher ein wichtiges Instrument zur Internationalisierung der Tabakfabrik Linz. Im Sinne des Social Designs versteht sich die Biennale heuer als architektonischer Aufruf zur Gestaltung einer besseren Welt und ist daher für die Revitalisierung der Tabakfabrik Linz von besonderem Interesse. Binnen kürzester Zeit entwickelte sich das ehemalige Industrieareal zum Brennpunkt der Wachstumsbrache Kreativwirtschaft und soll als Fabrik der guten Hoffnung zum Sinnbild einer positiven Zukunft werden“, sagt Nina Fuchs, Leiterin der Unternehmenskommunikation der Tabakfabrik Linz.

Foto: Tabakfabrik Linz

Urban Mining

Die 15. Architekturbiennale in Venedig präsentiert zeitgenössische Ballungsräume als ewige Rohstoffquellen, versammelt neueste Tendenzen wie innovative Konzepte zum Thema Urban Mining und liefert damit auch wichtige Bausteine für die Revitalisierung der Tabakfabrik. Unter dem Motto „Rohstoffgewinnung durch Zweckentfremdung“ wird der Überfluss der kapitalistischen Ökonomie zum Baumaterial.

Biennale

LineaLight Group | “Let’s talk about garbage”

„Die Biennale di Venezia 2016 illustriert das ungeheure Potential, das in der kreativen Wiederverwertung von Rohstoffen steckt und zeigt, dass gutes Design nicht unbedingt teuer sein muss. Die Abfallprodukte der Überproduktion sind die Ressourcen der Zukunft. Überreste gebrauchter Rigips-Trennwände etwa setzen als wiederkehrendes Stilelement der diesjährigen Biennale einzigartige Design-Akzente. Übereinandergestapelte Pappkartons dienen als Kinoleinwand und kunstvoll geschichteter Plastikmüll formt mobile Raumelemente“, so Chris Müller.

Einfließen werden die bei der Biennale gewonnenen Inspirationen und Erkenntnisse nun in die Gestaltung der Innenarchitektur im Bau 1 der Tabakfabrik Linz. Dort entsteht im Erdgeschoss derzeit eine Lifestyle-Welt, die als Service- und Informationsstelle, Eventspace, Pop-up-Mall oder Wohnzimmer für Austausch und kreative Initialzündungen sorgen soll.

Biennale

Rahul Mehrotra | „Does permanence matter?“

Als kollaborativer Konzern ist es zentrale Aufgabe der Tabakfabrik, optimale Raum- und Rahmenbedingungen für die Vernetzung unterschiedlichster Fachbereiche und Firmen zu bieten, um gezielt Milieus zu schaffen, die sich gegenseitig befruchten und bereichern.

„Die Biennale bestärkte unsere Ideen für die Pavillons, ihre Beschaffenheit und Materialität, sowie unsere Überlegungen für die Ästhetik unterschiedlichster Begegnungszonen. Als Bindeglied zwischen den einzelnen Mietflächen sollen diese Räume individuell gestaltet werden, verschiedene Settings für Präsentationen oder Kollaborationen bieten und damit vielfältige Funktionen erfüllen“, erklärt Chris Müller.

Auch der Austragungsort der Biennale fungiert als Quellgebiet der Inspiration. Nach dem Vorbild der berühmten Giardinis mit ihren Länderpavillons sollen Teile des Innenhofs der Tabakfabrik unter dem Titel „Urban Canyon“ in einen Themenpark verwandelt werden, der diverse Nutzungsszenarien erlaubt und knisternde Atmosphäre verbreitet.

„Im Fokus unseres Biennale-Streifzugs stand die Suche nach neuartigen Konzepten für modulare Architektur, die einfach, günstig und umweltschonend umsetzbar ist, ohne dadurch ihre Wirkung oder Innovationskraft einzubüßen. Das Hauptaugenmerk lag dabei auf der Inszenierung von Sonderräumen. Orte mit außergewöhnlichem Ambiente, die eine Auszeit vom Arbeitsalltag erlauben und die Gedanken in neue Bahnen lenken. Wir suchen nach Antworten auf der Höhe der Zeit anstelle zeitloser Kompromisse – und bieten offene Strukturen für eine offene Gesellschaft“, sagt Tabakfabrik-Direktor Chris Müller.

Biennale

RSH+P | „Saving the city“

Brandaktuell: Themen der Tabakfabrik bestimmen heuer Biennale di Venezia

Offenheit, Einfallsreichtum und der Mut, Neuland zu betreten. – Diese Themen bestimmen derzeit also nicht nur die Revitalisierung der Tabakfabrik, sondern auch die berühmteste Architekturausstellung der Welt und zeigen, dass die Neupositionierung des Industriejuwels in Linz den Puls der Zeit trifft.

Biennale

BeL Sozietät für Architektur | NEUBAU – on Königsberger Straße and Aleppoer Weg

Die in Venedig ausgestellten Arbeiten von insgesamt 88 TeilnehmerInnen aus 37 verschiedenen Ländern machen deutlich, dass widrige Umstände keine Rechtfertigung für Misserfolg darstellen, sondern nach originellen und verwegenen Ideen verlangen.

Symbol dieser alles entscheidenden Macht der Kreativität ist Maria Reiches unprätentiöse Haushaltsleiter, so der Kurator der Biennale di Venezia 2016, Alejandro Aravena:
„The modest ladder is the proof that we shouldn’t blame the harshness of constraints for our incapacity to do our job. Against scarcity: inventiveness.” („Die bescheidene Leiter ist der Beweis dafür, dass die Zwänge und Beschränkungen des Alltags kein Argument für berufliche Unfähigkeit sind. Begegnet der Ressourcenknappheit mit Erfindungskraft.“)

Biennale

 

Chris Müller, Direktor für Entwicklung, Gestaltung und künstlerische Agenden der Tabakfabrik Linz

Foto: Österreichischer Pavillion | „Orte für Menschen“

 

 

 

Biennale

 

Nina Fuchs, Leiterin der Unternehmenskommunikation der Tabakfabrik Linz

Foto: Serbischer Pavillon | „Heroic Free Shipping“

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